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Naomi Lareine, Sängerin

Am 16. März ist es so weit. Dann erscheint Naomi Lareines Folge von «Sing meinen Song» auf 3+. Für die 28-Jährige wird das ein besonderer Abend. «Es ist eine mega wichtige Sendung für mich. Ich bin dort als Newcomerin», sagt sie beim Tee im Bistro des Zürcher Kulturhaus Kosmos.

Bei «Sing meinen Song» interpretieren Musiker aus der Schweiz wie Stress, Melanie Oesch oder Dabu Bucher von Dabu Fantastic Songs der anderen Künstler. «Ich war noch nie so nervös wegen des Singens wie während der Aufnahmen auf Gran Canaria. Es sind so grosse Künstler dabei.» Besonders gespannt ist sie auf ihre Folge. «Man wird Sachen über mich erfahren, die noch nicht bekannt sind.»

Naomi Lareine heisst bürgerlich Naomi ­Bruderer – ihr Vater ist der ehemalige Klotener Eishockey-Profi Martin Bruderer. Sie wuchs in Wallisellen, Dübendorf und Bern auf. Jeden ­Sommer fuhr sie nach Frankreich; zur Familie mütterlicherseits. «Meine Mutter wurde in Senegal von Franzosen adoptiert», sagt sie. Als Lareine neun war, trennten sich die Eltern. Sie zog zum Vater. Wichtige Bezugspersonen damals waren auch die Grosseltern. Ihr Grossvater spielte Klavier, sie habe «nonstop» gesungen. «Ich war wohl recht nervig», räumt sie ein. Mit 16 hat sie angefangen Klavier zu spielen. «Ich habe mir alles selbst beigebracht.» Noten lesen könne sie nicht. Auch heute noch spielt sie nach Gehör, oder schaut sich ein Youtube-Video an.

Mit 20 entschied sich Lareine, voll auf Musik zu setzen. Alternativ hätte sie auch Fussballerin werden können. Sie war Verteidigerin bei GC Zürich und spielte in der U-19 Nationalmannschaft. «Im Fussball hatte ich aber alles erreicht, was ich wollte. Mein grösstes Ziel war es, in der Nati zu sein und das rote Trikot anzuziehen.» Sie sah sich aber nicht mit 30 noch als Fussballerin, als Musikerin hingegen schon. Ihr grösstes musikalisches Vorbild in den Teenagerjahren war Alicia Keys. Heute sind es die «usual ­suspects»: H.E.R., Justin Bieber, Drake, Kanye West, Jay-Z, Rhianna und Beyoncé. «Ich komme vom Soul», sagt Lareine.

Für Aufmerksamkeit sorgte sie 2019. Lareine veröffentlichte ihre erste EP namens «Unchained», stand mit Stress auf der Bühne des Gurtenfestivals, erhielt den Newcomer-Preis «SRF 3 Best Talent» und wurde für einen Swiss Music Award nominiert. Doch dann kam Corona. «Die Pandemie nahm mich mental sehr mit. Wenn man am Anfang der Karriere steht, hat man sowieso schon Selbstzweifel. Bei mir kam dann noch dazu, dass ich Angst bekam davor, dass all die coolen Sachen, die ich erreicht hatte, wieder vergessen gehen würden». Zudem fielen spannende Projekte wie der Auftritt am Openair Frauenfeld oder ein Projekt auf Kuba ins Wasser.

So emotional wie Lareine ist auch ihre Musik. «Ich schreibe über das, was mich gerade beschäftigt und welchen Mood ich habe. Bin ich melancholisch, kann der Text tiefgründig werden, er kann aber auch das ­Gegenteil sein, wenn ich mich nicht damit beschäftigen möchte. Dann schreibe ich etwas Aufbauendes. Manchmal will man nicht noch weiter ins Loch runterfallen, wenn man schon darin steckt.» Wenn sie etwas sehr Persönliches schreibe, dann denke sie im Studio nicht daran, dass es öffentlich wird. Das merke sie dann erst nachher. Was das bedeutet, erfuhr sie beim Lied «Sweet Latina», das von ihrer Ex-Freundin handelt.

Bei ihrer Familie hatte sie sich geoutet, in der Öffentlichkeit aber nicht. «Ich hatte es nicht realisiert, bis zu dem Tag, als das Lied «Sweet Latina» veröffentlicht wurde. Ich hatte nicht daran gedacht, dass es mein öffent­liches Coming Out sein wird». Sie habe viele Reaktionen auf das Lied ­bekommen. «Viele haben mir geschrieben, wie es bei ihrem Coming Out gewesen sei. Ich habe oft gehört, dass das Lied ihnen Kraft gegeben habe und es ihnen gut getan hätte, da sie sich nicht allein gefühlt hätten.»

Die Interaktion mit ihren Fans ist für Lareine wichtig. «Früher habe ich allen zurückgeschrieben auf Social Media. Heute mache ich das nicht mehr. Wenn sich aber jemand das Herz ausschüttet, schreibe ich zurück. Lesen tue ich aber alles». Es passiere ihr auch, dass Leute sie mit Naomi anspreche. Dann denke sie «Shit, die Person muss ich kennen». Erst im Nachhinein werde ihr klar, dass sie sich gar nicht gekannt hätten.

Unterdessen kann Lareine von der Musik leben. Auch dank eines Vertrags mit Sony. Ihr erstes Album ist in Planung. Zuvor erscheine aber noch etwas anderes, mehr könne sie dazu aber nicht sagen. Und noch früher – respektive am 18. März – kommt ihre nächste Single namens «In Love with a Gangster». Das passt auch zu ihrem Faible für Gangsterfilme und -serien wie «Scarface» oder «Peaky Blinders». Letzteres ist ihre «absolute Lieblingsserie». Sie bezeichnet sich als «Film- und Serienjunkie». So könne sie abschalten. Sie mag auch Marvel, Anime und «natürlich» Star Wars.

Ihr grosses musikalisches Ziel ist es, eine «World Tour» zu machen und Stadien zu füllen. «Ich möchte im Hallenstadion auftreten, im Wissen, dass die Leute wegen mir hier sind.» Auf der Bühne im Hallenstadion stand sie bereits einmal mit Stress. «Es war unglaublich. Das mit Stress zu erleben, meinem Mentor, war eine coole Erfahrung. Das Gefühl macht süchtig.» Ungeduldig warte sie deshalb auf das nächste Mal. Auf der Bühne steht sie wieder im April. Dann folgt die Festival-Tour mit Stationen in Zürich und St. Gallen. Warten muss derweil das Hallenstadion.

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