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Nico Hischier, Eishockeyspieler bei den New Jersey Devils

Er ist nicht mehr oft im Wallis anzutreffen. Nicht, weil Nico Hischier mit seinem Heimatkanton nichts mehr anfangen kann – im Gegenteil. «Ich freue mich immer riesig, hier zu sein», verrät er. Aber sein grosses ­Talent als Eishockeyspieler hat ihn vor gut fünf Jahren in die Vereinigten Staaten geführt. Inzwischen spielt er nicht nur in der besten Hockeyliga der Welt, sondern zählt ­zugleich zu den Besten seines Fachs.

Als der 22-Jährige zum Interviewtermin im urchigen Walliser Bergdorf Törbel im Restaurant Weisshorn erscheint, bietet sich ein eher ungewohntes Bild. Denn Hischier präsentiert sich auf seinem Mountainbike und in einem roten Velodress. Zudem ist er in Begleitung von fast zwanzig Personen, die mit ihm am Spendenevent Bärgüf teilnehmen.

Die gleichnamige Organisation engagiert sich seit 2016 im Kampf gegen Krebs. Alle zwei Jahre führt sie einen Event durch. Nico ist Botschafter des Vereins, genauso wie sein älterer Bruder Luca, der beim EHC Biel unter Vertrag steht. In diesem Jahr findet Bärgüf pandemiebedingt nicht nur an einem Tag statt, sondern erstreckt sich vom 4. Juni bis 28. August über rund drei Monate. Die Teilnehmer sammeln auf der gut fünfzehn ­Kilometer langen Steigung von Stalden über Törbel auf die Moosalp Spendengelder – mit dem Velo oder zu Fuss. Bereits mehrere Millionen Franken sind in den vergangenen Jahren zusammengekommen.

«Ich finde das eine gute Sache und stehe voll dahinter», betont Hischier. Er nimmt zum ersten Mal daran teil. Das Motto des Events hat er allerdings schon längst verinnerlicht. «Gib nit üf», sagt er in einem leicht verständlichen Walliser Dialekt. Die Länge und die steilen Rampen der Strecke hoch zur Moosalp – die 2022 als Schlussanstieg einer Tour-de-Suisse-Etappe dienen wird – symbolisieren dabei gut, wie heimtückisch Krebs sein kann, wie ein Kampf der niemals endet. «Indem wir hier hochfahren, wollen wir den betroffenen Menschen neuen Mut schenken und ein Zeichen setzen», betont Hischier.

Die Bärgüf-Strecke auf die Moosalp befindet sich inmitten der Oberwalliser Bergwelt und bietet einmalige Perspektiven ins Matter-, Saas- und Rhonetal. (Bild: Verein Bärgüf)

Angesprochen auf seine bisher persönlich grösste Herausforderung im Leben, muss Hischier kurz nachdenken. Dann erzählt er über seine ersten Jahre weg von zu Hause. Als fünfzehnjähriger Junge zieht er 2014 nach Bern, um dort für den SCB Eishockey zu spielen. «Es war schon ein neues Gefühl, so ganz auf sich allein gestellt zu sein.» Zwei Jahre später wagt er den Schritt nach Kanada und spielt für die Halifax Mooseheads. 2017 folgt der erste ganz grosse Höhepunkt: Als erster Schweizer überhaupt wird er als Nummer eins der NHL gedraftet.

Inzwischen hat sich das grosse Talent zu einem gestandenen Eis­hockeyspieler gemausert. Nicht nur im Trikot der Schweizer Nationalmannschaft ist Hischier zu einer festen Grösse herangewachsen. Bei den New Jersey Devils hat er sich dank harter Arbeit ziemlich schnell durchgesetzt. Einmal durfte er bereits beim NHL Allstar Game auflaufen, und seit Februar ist er der jüngste Captain der gesamten Liga. In der neuen Rolle fühlt er sich wohl. Er habe allerdings keine radikale Änderung an seiner Spielweise und an seiner Art vorgenommen, nur weil jetzt ein C auf seinem Shirt stehe. «Ich versuche lieber, mit meinen Aktionen ein Exempel zu statuieren als mit grossen Worten.»

Nicht nur auf den amerikanischen Eisfeldern fühlt sich der Walliser inzwischen wie zu Hause. Das Leben in den USA macht ihm ganz allgemein sichtlich Spass. «Da, wo ich wohne, ist es eher ruhig. Wenn ich aber etwas unternehmen möchte, bin ich schnell im Stadtkern von New York.» Besonders angetan hat es ihm die Abwechslung, die eine Metropole bietet. «Es gibt immer etwas Neues zu entdecken.» Nach einem intensiven Trainingstag geht er bei schönem Wetter besonders gerne mit den Teamkollegen an den Strand. Doch wie Hischier gesteht, benötigte er schon etwas Zeit, bis er sich in der Grossstadt eingelebt habe. Wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass er in der Kleinstadt Naters aufgewachsen ist. Die Zeit in Bern habe ihm aber ermöglicht, sich langsam ans Stadtleben heranzu­tasten. «Es war sozusagen die erste Grossstadt, in der ich lebte.»

In Hischiers Karriere ist bislang alles aufgegangen. «Ich bin froh und glücklich, dass ich damals den Schritt nach Nordamerika gewagt habe.» Dass er so weit gekommen ist, verdankt er in erster Linie seiner Familie. Auf die Unterstützung seiner Eltern und Geschwister könne er immer zählen, sagt er stolz. «Fühle ich mich in Amerika einsam, kann man zum Glück mit Facetime und WhatsApp schnell zu Hause anrufen und sich austauschen.»

Fast geschafft: Nico Hischier (links) und sein Bruder Luca (rechts) auf den letzten Metern vor dem Ziel. (Bild: Verein Bärgüf)

Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Nico zu seinem vier Jahre älteren Bruder Luca, den er als grosses Vorbild sieht. «Als Jüngster in der Familie will man so stark sein wie der ältere Bruder.» Schon früh duellierten sich die beiden auf dem Eis und konnten so viel voneinander lernen. «Wir haben eine sehr gute Beziehung zueinander und können über alles reden. Auch und insbesondere über Themen, die nichts mit Sport zu tun haben.»

Ohnehin schätzt er das sehr, wenn er nach einer nervenaufreibenden Saison in seine Heimat zurückkehrt, Familie und Freunde trifft, Zeit hat für wohltätige Projekte wie Bärgüf «und die Hockeytasche einfach mal in den Keller schmeissen kann». So tankt er die Energie, um in der kommenden Spielzeit wieder voll anzugreifen und seinem Traum, dem Gewinn des Stanley Cup, nachzugehen.

Nina Leuenberger und Carlo Emanuele Frezza

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