Kaffee mit…

Pascal Uffer, COO Selecta

Der Raum ist nahezu leer, ein paar Klapptische und Bänke, von der Baustelle im Obergeschoss dringt Arbeitslärm herein. Der von Pascal Uffer für das Treffen gewählte Ort ist ungewohnt und doch passend. Seine Aussage: Aufbruchstimmung. Der Standort und der Chief Operating Officer (COO) von Selecta verkörpern dies beide. Auf der Längsseite des künftigen Aufenthaltsbereichs ist der Mikromarkt bereits installiert. Foodie’s heisst das von Selecta entwickelte Format, mit dem Uffer und sein Team eine neue Art von Verpflegungsecken in die Büro- und Fabriklandschaften bringen. Integriert ist der Kaffeeautomat, der in nichts an frühere Selecta-Automaten erinnert. Starbucks heisst der Partner an der Bederstrasse in Zürich, sodass Uffer hier wie am Firmensitz in Hünenberg seine Lieblingsvariante, einen doppelten Espresso Macchiato, wählen kann. Andernorts arbeitet Selecta mit Lavazza zusammen oder mit der eigenen Marke Pelican Rouge.

Selecta ist für den 33-jährigen COO seit gut drei Jahren Teil des Arbeitsalltags. Kennengelernt hat er das Unternehmen in London, wo er als Mitglied des Portfolioteams des Selecta-Eigentümers KKR die Gesellschaft betreute. Der studierte Materialwissenschaftler mit Diplom der EPFL Lausanne fühlt sich bei Selecta zu Hause und sieht auch keinen Widerspruch zwischen seinem Technologiehintergrund und dem Servicecharakter des Unternehmens mit rund 1,5 Mrd. € Umsatz. «Ohne meinen technischen Background hätte ich wohl des Öftern Verständnisschwierigkeiten», sagt er. Denn in den Kaffeemaschinen stecke viel Mechatronik, die Apparate und die Mikromärkte seien Teil des wachsenden Internet of Things.

Uffer fasziniert es, Themen, die im Detailhandel erstmals vor zehn Jahren aufgetaucht sind, in den Vendingbereich zu bringen. Erst war er skeptisch, ob das Geschäftsfeld Mikromärkte zu der als Börsenkandidatin gehandelten Gruppe passt. «Den Ausschlag gab ein Punkt, die Logistik», streicht er hervor: «Selecta ist ein Serviceunternehmen mit der letzten Meile als Stärke.» Er meint damit die Zahl der Verkaufspunkte, die Routen und die Mitarbeitenden, die sie effizient bewirtschaften. «Wir sind nicht die Einzigen im noch jungen Geschäft, aber viele stolpern über eben diese letzte Meile», sagt er, froh darüber, zum Konzept Ja gesagt zu haben.

Seither hat Selecta die ursprünglich über die Akquisition von Argenta zum Unternehmen gestossenen Mikromärkte in den drei Ländern Italien, Schweiz und Grossbritannien installiert. Vor Kurzem wurde der 60. Verkaufsstandort eröffnet. «Am Herzen liegt uns, dass wir aus jeder Verflegungspause Begegnungsmomente zwischen Mitarbeitern schaffen», umschreibt Uffer das Ziel der Mikromärkte.

Potenzial sieht Uffer für Foodie’s besonders in Umgebungen mit kleinem Einkaufs- und Gastronomieangebot. Auch in der traditionellen Schweiz sieht er Platz, trotz Konkurrenz von Coop Pronto, Avec oder Migrolino. Der Preis sei dabei sekundär. «Wir können eine Limonade nicht zum Lidl-Preis anbieten. Aber regnet es in Strömen oder türmt sich das Papier auf dem Pult, wollen wir die Alternative sein», gibt er die Richtung vor. Wie weit die Reise geht, kann er nicht abschätzen. Er verweist darauf, dass in den USA die Zahl der Minimärkte seit 2011 von null auf 20 000 gewachsen und das Segment zum Milliardengeschäft geworden sei.

Passt das Marktkonzept Foodie’s in die hedonistische Gesellschaft der heutigen Zeit? Klar ja, sagt Uffer. Immer mehr werde «on the go» konsumiert, spontanes Einkaufen habe den Wocheneinkauf mit durchgetakteten Menus abgelöst. Dieser Trend werde mit den Märkten genau bedient. Auch den Wunsch der Vertragspartner, ein gutes Arbeitsumfeld für die Mitarbeiter zu schaffen, wertet er als Ausdruck des Zeitgeists.

Grossen Wert legt Uffer auf eine gute Beziehung mit diesen Vertragskunden: «Unsere Kunden geben uns den Badge zum Eintritt in ihr Unternehmen. Das ist ein Vertrauensbeweis, den wir erfüllen und nicht leichtfertig aufs Spiel setzen wollen.» Dazu zählt auch, dass Selecta die Trends im Konsumverhalten genau kennt und die Partner rasch mit adaptierten Konzepten zu versorgen weiss. Trends kommen oft aus Grossbritannien, wo er lange gelebt hat und wohin er alle zwei bis drei Wochen reist.

Die Trennung von der Familie – Uffer und seine norwegische Frau sind Eltern eines zweieinhalb Jahre alten Mädchens und eines einjährigen Buben – versucht er dabei kurz zu halten. Die Kinder beim Aufwachsen zu begleiten, ist für ihn zentral. Kommen sie ins Alter, mit auf die Skipiste zu gehen, wird sich der Freizeitsportler Uffer doppelt freuen.

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