Kaffee mit…

Peter Nobel, Wirtschaftsanwalt für schwierige Fälle

Er ist einer der bekanntesten Wirtschaftsanwälte der Schweiz. Sein letzter grosser Fall war 2018 Sika. Im Streit über die ­Übernahme des Baustoffherstellers schrieb Peter Nobel ein Gutachten für den opponierenden Verwaltungsrat – und fand eine Einigung. «Das Ziel ist immer zu gewinnen», meint er. «Das Wichtigste aber ist, einen Rechtsfall anständig zu erledigen.»

Wir treffen uns zum Gespräch in seiner von ihm 1982 eröffneten Anwaltskanzlei im Zürcher Seefeld. Obschon 75 Lenze zählend, kommt Peter Nobel jeden Tag «gern» ins Büro. Er bearbeite immer noch spannende Fälle, und die Neuauflage von Fachbüchern zu Finanzmarkt-, Aktien- oder Medienrecht gebe einiges zu tun.

Solange Klienten kämen, mache er weiter, sagt er und fügt an: «Aber ich klebe nicht am Beruf.» Das ist keine hohle Phrase. Der in Flawil/SG aufgewachsene ehemalige Professor der Universität St. Gallen und Ordinarius der Universität Zürich hat etliche ­Interessen, die über reine Juristerei hinausgehen.

Medien und Kunst etwa. Wer die Anwaltskanzel betritt, wähnt sich in einer Kunstgalerie. Seine Frau und er haben in vier Jahrzehnten ungefähr 2000 Exponate gesammelt, die mit der gedruckten Presse zu tun haben, vor allem Collagen und Fotos. Dazu zählen Skizzen, die Alberto Giacometti auf Zeitungspapier in Paris gezeichnet hat.

Warum «Press Art», wie er sie nennt? Peter Nobel hatte schon früh oft mit dem Medienhaus Ringier zu tun. Zudem seien es Objekte, die den Betrachter «mit der Wirklichkeit konfrontieren». Manchmal alimentiert er Ausstellungen aus seinem Fundus. Für Frühjahr ist eine Exposition in der Türkei geplant, wo es ihm auch um Pressefreiheit gehe.

Peter Nobel liest gern, historische Bücher, Biografien und jeden Tag eine Stunde lang Zeitungen, vom «Blick» bis zu NZZ und FT. Aber «Finanz und Wirtschaft» hat er leider nicht abonniert. Der Wirtschaftsanwalt ist ein grosser Fan der gedruckten Presse, sie zu erhalten, sei «unbedingt ­nötig», betont er mit Blick auf das Referendum zum Medienförderungs­gesetz, über das im kommenden Februar abgestimmt wird.

Die Medienwelt war auch die Brücke zum Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt. In den Lehr- und Wanderjahren nach dem Studium absolvierte Nobel in den Achtzigerjahren ein Praktikum im Hamburger Grossverlag Gruner + Jahr, um Erfahrung im Presserecht zu sammeln.

Als Dürrenmatt mit der Zeitschrift «Stern» in Streit geriet, konnte Nobel vermitteln. Dem Schweizer Schriftsteller hatte es missfallen, dass die von ihm geliebten Helvetismen im Norden Deutschlands im Roman «Justiz» in «korrektes» Deutsch umgeschrieben wurden. Die weiteren Abdrucke im «Stern» wurden dann im Original veröffentlicht.

Ob es wohl in diese Zeit fiel, dass Dürrenmatt an einer Vorlesung auf die Frage, ob er nicht verständliches Hochdeutsch reden könne, antwortete: «Nein, ich kann nicht höher»?

Auf jeden Fall wurde Nobel darauf Dürrenmatts Anwalt. Nach dessen Tod hatte er den Nachlass zu regeln (wie übrigens später auch den von Charlotte Kerr, Dürrenmatts zweiter Ehefrau). Mit der Eidgenossenschaft wurde gemäss dem Willen des Schriftstellers ein Erbvertrag für sämtliche Manuskripte abgeschlossen und so der Grundstein zum Schweizerischen Literaturarchiv gelegt.

Wen schätzt er mehr, Dürrenmatt oder Frisch? Die Antwort überrascht nicht. Mit dem «Besuch der alten Dame» habe der Berner Schriftsteller «ein Paradestück zur Gerechtigkeitsfrage» geschrieben. Dürrenmatt sei trotz einer ausgeprägten Freude am Grotesken im Schaffen ein kühler Konstrukteur gewesen. Von Frisch – «ein Jammeri» – fühlte sich Peter Nobel hingegen gemütsmässig nie angesprochen.

Das Curriculum Vitae beeindruckt. Nobel lässt sich aber nicht in die Schablone eines erfolgreichen und mächtigen Wirtschaftsanwalts pressen. Während des Studiums arbeitete er für den genossenschaftlich organisierten Schweizerischen Studentenreisedienst (SSR) je ein halbes Jahr lang in der philippischen Hauptstadt Manila und Istanbul. Er bildete sich in New York weiter, war aber auch Assistent an der Lomonossow-Universität in Moskau.

Und: 1971 bis 1979 war Peter Nobel erster Präsident der Jungsozialisten. In die Juso sei er «reingerutscht», meint er heute, als er mit anderen Studenten versuchte, die HSG zu «reformieren». Während dreier Jahre war Nobel auch in der Geschäftsleitung der SP Schweiz vertreten.

Doch am Schluss wurde er Wirtschaftsanwalt, «weil mich das mehr interessierte als Politik. Das war ein rationaler Entscheid.»

, Closing Bell / Kaffee mit