Kaffee mit…

Rafael Waber, Geschäftsführer von SwissShrimp

«Wir bringen das Meer zum Konsumenten», sagt Rafael Waber. Beim Kaffee im unternehmenseigenen Informationszentrum lässt der Geschäftsführer von SwissShrimp den Blick über das Wasser des Pazifiks schweifen. Die sechzehn Becken der grössten, landbasierten Shrimpsfarm Europas sind damit gefüllt.

Das Wasser wurde natürlich nicht aus dem Pazifik herangeschafft, hat aber genau die gleiche Qualität. In dem künstlichen Ozean wachsen Pacific White Shrimps heran, die in den Küstengewässern zwischen Mexiko und Peru beheimatet sind. Die wilde Romantik der Pazifikküste muss sich der Besucher allerdings hinzudenken.

Seit 2018 produziert das Unternehmen SwissShrimp diese Shrimps, auch Prawns, Garnelen oder Crevetten genannt, in einer Industriehalle auf dem Gelände der Saline Riburg bei Rheinfelden/AG. In der Schweiz habe niemand gewusst, wie frische Shrimps tatsächlich schmecken, sagt Waber. Köche, die vor einigen Jahren an einem Workshop die Shrimps aus einer Pilotanlage zubereitet hatten, waren bereit, für deren besondere Qualität einen hohen Preis zu zahlen. «Das hat uns Mut gemacht.»

Die Idee für eine Shrimpsfarm in der Schweiz gehe auf ein Aha-Erlebnis zurück, das Thomas Tschirren, einer der Unternehmensgründer und heute für Nachhaltigkeit zuständiges Verwaltungsratsmitglied, vor mehr als zehn Jahren in Thailand hatte. Er habe dort erlebt, unter welch abschreckenden Bedingungen grosse, in Mangrovengebiete hineingebaute Freilandfarmen die oft mehlig schmeckenden Shrimps für den Schweizer Markt produzieren.

Über sechzehn Becken verfügt die Industriehalle von SwissShrimp bei Rheinfelden/AG. (Bild: zvg/SwissShrimp)

Tschirren habe damals beschlossen, solche Shrimps nicht mehr zu essen, erzählt Waber. Gleichzeitig hatte er die feine Qualität der direkt aus dem Meer kommenden Crevetten kennengelernt. Nach einem Fernsehbericht über eine Indoor-Farm für Shrimps in den Niederlanden sei dann die Idee entstanden, Meer und Shrimps in die Schweiz zu holen.

«Das Ganze ist aus einer Haltung heraus entstanden. Wir haben nicht gesagt, wir wollen ein Geschäft aufbauen, also gründen wir eine Shrimpsfarm», resümiert Waber. Vielmehr sei von Anfang an klar gewesen, in der Schweiz nur solche Shrimps zu produzieren, die man mit gutem Gewissen essen könne.

Die Ansprüche an die Farm sind entsprechend hoch. Tierwohl, Nachhaltigkeit, Lebensmittelsicherheit und Qualität stehen im Pflichtenheft. Entstanden ist eine Anlage mit einem streng kontrollierten Salzwasserkreislauf, die nicht zufällig auf dem Gelände der Saline Riburg gebaut wurde. «Die Saline ist auf uns zugekommen, weil sie einen Abnehmer für die bei der Salzproduktion anfallende Abwärme suchte», erläutert Waber.

Das Salz für die sechzehn Becken, in denen nach Abschluss der Anlaufphase rund sechzig Tonnen Shrimps pro Jahr heranwachsen sollen, kommt ebenfalls aus der Saline. Den elektrischen Strom für die an die pazifischen Verhältnisse angepasste Beleuchtung liefern eine dreitausend Quadratmeter grosse Photovoltaikanlage auf dem Dach der Halle und die Schweizer Wasserkraftwerke. Ökologischer geht es kaum.

Das Gebäude wurde von der Saline gebaut und langfristig an SwissShrimp vermietet. Sie hat es mit moderner Technik vollgestopft, um den Tieren im achtundzwanzig Grad warmen Wasser optimale Bedingungen zu bieten, ohne Antibiotika einsetzen zu müssen. «Wir haben uns da nach der Pilotphase emporgeirrt», fasst der Geschäftsführer zusammen. Fünfzehn Mitarbeiter verteilt auf zwölf Vollzeitstellen reichen heute aus, um die hochautomatisierte Anlage rund um die Uhr zu betreiben.

Fünf bis sechs Monaten dauert es, bis aus sogenannten Postlarven ausgewachsene Tiere werden, die wegen des verwendeten Futters und der Beckenfarbe bläulich schimmern. Zwischen der «Ernte» der am Ende zehn bis vierzig, manchmal auch sechzig Gramm schweren Tiere und der Lieferung an Konsumenten, Gastronomen oder den Einzelhandel vergehen nur wenige Stunden, um dem Qualitätsanspruch gerecht zu werden. Ein Lager gibt es daher nicht. Geerntet wird montags und mittwochs nur auf digitale Bestellung.

Ein ausgewachsener Schweizer Shrimp. (Bild: zvg/SwissShrimp)

Die Pandemie hat den Shrimpfarmern das erste vollständige Geschäftsjahr verdorben, denn rund die Hälfte des Umsatzes sollte aus der Gastronomie kommen. «Wegen Corona haben wir 2020 dieses Absatzpotential verloren», sagt Waber. Eine Prognose für den künftigen Geschäftsverlauf – bisher ist das Start-up noch nicht profitabel, soll es aber 2022 werden – sei schwierig, da das Potential zwar zurückkomme, aber das ursprüngliche Niveau noch nicht erreicht sei.

Der vierzigjährige Rafael Waber, der Pädagogik und Marketingmanagement studiert hat, ist auch für Investorenkontakte zuständig. Zurzeit ist er mit einer Kapitalerhöhung beschäftigt. «Wir wollen unsere Kapazität in Rheinfelden verdoppeln.» Den Schweizer Markt für Premiumprodukte beziffert SwissShrimp mit fünfhundert Tonnen im Jahr. «Wir haben zudem Interesse, im Ausland etwas zu realisieren.» Interessant seien Millionenmetropolen mit kaufkräftigen Menschen wie Berlin, London oder Moskau. Das Klima dürfe nicht zu warm sein, damit die Zucht wie in Rheinfelden gelinge.

Auf der Suche nach frischer Liquidität zur Finanzierung der Ausbaupläne richtet sich Waber ausdrücklich auch an «private Anleger, die einige zehntausend Franken in etwas investieren möchten, bei dem sie verstehen, worum es geht». Bis Ende August bestehe die Möglichkeit, sich an der Finanzierungsrunde für ein grösseres Meer in Rheinfelden zu beteiligen.

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