Kaffee mit…

Regula Mäder, Inhaberin von Mäder & Partner

Die meisten Menschen, die zu Regula Mäder kommen, mussten kurz zuvor einen Schock überwinden. Ihnen wurde gekündigt, und sie stehen nun vor der Aufgabe, einen neuen Job zu finden. Viele ältere Menschen bangen in dieser Situation um ihre Existenz. Oft versuchen Arbeitgeber, ihren gekündigten Mitarbeitern zu helfen, und finanzieren ein sogenanntes Outplacement. Dann kommt Regula Mäder ins Spiel.

Die gute Nachricht vom morgendlichen Kaffeeplausch im Zürcher Grand Café Lochergut vorweg: Drei Viertel ihrer Kunden seien älter als 50, und 95% von ihnen hätten nach dem Prozess, wie Mäder ihre Dienstleistung nennt, wieder eine Stelle, die zufrieden mache. Ausserdem schlage die Altersguillotine immer später zu. «Erst ab Anfang 60 wird es schwieriger mit einem neuen Job und nicht wie noch vor einigen Jahren schon ab 56 oder 57.»

Outplacement oder New Placement, wie Regula Mäder sagt (sie mag das Wort «Out» nicht), manchmal auch Aussenvermittlung genannt, ist eine von Unternehmen finanzierte Dienstleistung für ausscheidende Mitarbeiter, die der beruflichen Neuorientierung dient und in der Regel bis zum Abschluss eines neuen Vertrags oder bis zu einer Existenzgründung reicht.

Regula Mäder kümmert sich seit fast zwanzig Jahren um ausscheidende Mitarbeiter. Der Startschuss fiel in einer Schweizer Grossbank, wo sie sich 2002 als Personalverantwortliche um Mitarbeiter kümmerte, die wegen einer Restrukturierung entlassen wurden. «Da habe ich gemerkt, dass genau das meine Passion ist, meine Leidenschaft. Menschen für Neues begeistern, sie motivieren und ihnen helfen, sich neu auszurichten.»

Die Leidenschaft konnte sie bald bei einer grossen Schweizer Versicherung ausleben, wo sie die Leitung einer Abteilung für internes Outplacement übernahm. Als dort der Bedarf für diese Dienstleistung zurückging, war der Schritt zur Selbständigkeit nicht weit. «Ich habe Unternehmergene. In meiner Familie sind alle Unternehmer: Vater, Grossvater, Schwestern, Tante und Onkel.»

2009 gründetet Mäder ein eigenes Unternehmen, «eine One Woman Show», wie sie es nennt. Angst vor dem Scheitern hatte sie nicht. Sie dachte, «wenn es nicht gutgeht, dann lasse ich mich eben wieder irgendwo anstellen».

Es ist gutgegangen. Heute beschäftigt Mäder & Partner siebzehn Berater und hat fünf Mitarbeiter in Supportfunktionen. Die Auftraggeber kommen aus allen möglichen Branchen, die entlassenen Mitarbeiter, die sie Kunden nennt, aus allen möglichen Hierarchiestufen bis hin zur Unternehmensleitung, darunter auch Produktions- oder Spitalmitarbeiter.

Die Büros der Berater sind über die Deutschschweiz verteilt: Bern, Luzern, Zug, Zürich, St. Gallen, Baden, Olten, Basel. «Jeder Arbeitsmarkt ist anders, denn die Unternehmenslandschaften und die Behördenstrukturen sind verschieden. Da muss man vor Ort sein.» Zudem seien Herr und Frau Schweizer beim Zügeln nicht so flexibel.

Das rasche Wachstum ihres Unternehmens war nicht geplant. «Ich hatte nicht von Anfang an die Idee, dass mein Unternehmen so gross wird. Wir sind einfach organisch gewachsen.» Auch der Fokus auf die Altersgruppe der über Fünfzigjährigen war nicht schon bei Unternehmensgründung gesetzt. «Das hat sich herauskristallisiert, da einfach viele Kunden aus dieser Altersgruppe gekommen sind.» Mit dem demografischen Wandel sei diese Altersgruppe für den Arbeitsmarkt immer interessanter geworden, denn «wir haben zu wenig qualifizierten Nachwuchs». Die Fokussierung bedeute aber nicht, dass sie Dreissigjährige wegschicke.

Was erwartet die Kunden in der Zusammenarbeit? «Das Wichtigste ist, den Menschen Hoffnung zu geben und Perspektiven aufzuzeigen», sagt die 51-Jährige. «Älteren sage ich immer, stellen Sie sich auf eine Suche von neun Monaten ein.» Das nehme ihnen den Druck, sofort etwas Neues finden zu müssen und sich dabei schlecht zu fühlen. «Dann fangen wir mit dem Coaching an.»

Unter Coaching versteht Mäder Hilfe bei der Standortbestimmung. Dabei wird eine ganze Reihe wichtiger Fragen beantwortet. Was sind meine Ressourcen, was sind meine Bedürfnisse? Was motiviert mich, was macht mir Freude? «Wir setzen dazu auch psychologische Testverfahren ein», erläutert Mäder ihr Vorgehen. Das Ziel sei, herauszufinden, was die Kunden wirklich wollten, was ihre Träume seien.

Danach komme es zum Realitätscheck. Was bietet der Arbeitsmarkt, welche Berufsbilder haben Zukunft und welche nicht? Auch die Frage, welches Salär erwartet werde, werde intensiv diskutiert. Je weniger jemand verdienen müsse, desto freier sei die Entscheidung für einen neue Weg. «Wenn ich meinen Kunden den Spiegel vorhalte, finden sie mich manchmal nicht mehr so nett.» Aber das sei ihr Job, und die Realität lasse sich nicht leugnen. «Aus einem Banker wird nicht so ohne weiteres ein Gärtner.»

Aber vielleicht macht er in Luzern ein Café auf, wie kürzlich geschehen. Oder aus einem IT-Experten wird ein Sozialarbeiter. Doch zu solch drastischen Veränderungen komme es nur selten, sagt Mäder. «Nach zwei, drei Monaten im Prozess finden viele, dass es doch ganz o.k. war, was sie bisher gemacht haben.»

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