Kaffee mit…

Stephan Lichtsteiner, Fussballer

Er hat sich in Grossbritannien schon an vieles gewöhnen können, der Kaffee gehört definitiv noch nicht dazu. «Preis und Qualität lassen in London oft zu wünschen übrig», sagt Stephan Lichtsteiner. Der kürzlich fünfunddreissig Jahre alt gewordene Schweizer Fussballnationalspieler verbrachte zuvor zehn Jahre in Italien, wo die Kaffeekunst mitunter bis zum Exzess zelebriert wird. Im vergangenen Sommer wechselte er zum Londoner Spitzenklub Arsenal FC. Für unser Gespräch wählt er deshalb eine sichere Variante für einen trinkbaren Espresso – das Café Nespresso im Soho-Quartier. Ein Gespräch, das weit über den Sport, Spieltaktiken und das Leben als Fussballer hinausgeht.

So macht Lichtsteiner erstmals publik, dass er Unternehmerluft schnuppert und in ein Start-up investiert hat. Urban Alps heisst das junge Schweizer Unternehmen, das Schlüssel mit einem maximalen Kopierschutz herstellen wird. «Ich bin vom Team und vom Produkt überzeugt», sagt er, ohne dass er grosses Aufhebens darum machen will. Er denkt, dass die Schlüsselindustrie vor einem Kodak-Moment stehen könnte, der die gesamte Industrie grundlegend ändert. Schon bald sei es ein Einfaches, im Vorbeigehen mit einem Handy einen Schlüsselbund zu fotografieren, um diesen mit einem 3-D-Drucker zu reproduzieren. Beim Produkt von Urban Alps ist dies gemäss Hersteller unmöglich.

Auch daneben kümmert sich Lichtsteiner eingehend um seine Anlagen. «Ich habe mein Lehrgeld bezahlt. «Heute vertraue ich keinem Finanzberater mehr blind», sagt er. Niemand sei unfehlbar, und es interessiere ihn, was mit seinem Geld passiere. Lichtsteiner, der zu seinen Anfangszeiten beim Grasshopper Club Zürich begleitend eine Banklehre bei der Credit Suisse absolvierte, kennt sich mit den Finanzmärkten gut aus. «Ich lese jeden Tag auf verschiedenen Plattformen Wirtschaftsnachrichten und checke die Kurse meiner Aktien», sagt Lichtsteiner. Tiefer in seine Karten, respektive sein Wertschriftendepot, lässt er nicht blicken.

Sein Wechsel vom italienischen Serienmeister Juventus Turin nach England hatte überrascht, weil in der Regel vor allem junge Spieler auf dem Transfermarkt gefragt sind. «Ich wollte es nochmals wissen und zeigen, dass ich mich auch in London durchsetzen kann», sagt Lichtsteiner. Arsenal war am Schweizer Verteidiger interessiert, weil die Mannschaft nach dem Trainerwechsel neu aufgestellt wurde. «Arsenal hat über Jahre hinweg keine Titel mehr gewonnen. Nun wollen die Verantwortlichen wieder eine Struktur aufbauen, die über Jahre hinaus dem Club Erfolg bringen soll», sagt der Luzerner.

Er sieht es auch als seine Aufgabe an, den jungen Spielern Bodenhaftung zu geben. «Zuletzt ist so viel Geld in den Sport geflossen, dass manchmal die richtige Einstellung zum Fussball auf der Strecke bleibt», sagt er. Diese Geldblase könne schnell und unerwartet platzen – wie etwa an den Finanzmärkten. Gleichzeitig will er auch ein Beispiel sein, dass es sich lohnt, aus der Komfortzone herauszutreten. «Schweizer geniessen punkto Ausbildung die besten Voraussetzungen. Aber sie müssen auch lernen, Risiken einzugehen und sich immer wieder von Neuem zu beweisen», sagt er – und meint damit nicht nur die Fussballer.

Auch wenn er nun schon geraume Zeit in der britischen Metropole lebt, hat er noch nicht allzu viel von der Stadt gesehen. «Zum Glück haben wir hier bei Arsenal mehr freie Tage als in Italien. Diese geniesse ich vor allem mit der Familie», sagt Lichtsteiner. Seine Familie, das sind seine Frau Manuela, eine gelernte Wirtschaftswissenschaftlerin, und die beiden Kinder Kim (7) und Noé Fabio (4).

Wie lange das englische Abenteuer dauern wird, weiss er heute noch nicht. Der Vertrag läuft im Sommer aus. Ob er verlängert, entscheidet sich erst in den kommenden Monaten. «Wenn es für beide Seiten passt, werde ich hier bleiben. Ansonsten geht die Reise weiter», sagt Lichtsteiner.

Allzu lange wird sein Nomadenleben ohnehin nicht mehr anhalten. In zwei bis drei Jahren will er wieder in die Schweiz zurückkehren, aber nicht als aktiver Fussballer. «Ich habe mir immer grosse Ziele gesteckt. Eine Saison in einem Schweizer Fussballklub zum Ende der Karriere kommt für mich nicht in Frage», sagt Lichtsteiner. Vielmehr könnte dann ein Thema werden, dass er die angefangene Trainerausbildung beendet und Coach wird. Vor allem auf eines freut er sich in der Zeit nach seiner Karriere: endlich wieder mal Skifahren zu können.

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