Kaffee mit…

Tanja Hüberli und Nina Betschart, Beachvolleyballerinnen

Athleten in Randsportarten haben es nicht immer leicht. Sie trainieren und ackern täglich mehrere Stunden, und dennoch reicht es nie für die grossen Schlagzeilen. Ihre Namen bleiben normalerweise in der Anonymität der Resultatspalten verborgen. Doch alle vier Jahre wendet sich das Blatt. An Olympischen Spielen interessiert sich die breite Öffentlichkeit plötzlich mehr für Beachvolleyball als für Basketball, und es sprechen mehr über ein Wasserballspiel als über eine Fussballpartie.

Zu den Aushängeschildern im Schweizer Beachvolleyball gehören Tanja Hüberli (28) und Nina Betschart (25). Seit rund fünf Jahren spielen sie zusammen. In dieser Zeit haben sie schon etliche Erfolge verzeichnet. In der Weltrangliste stehen sie auf Platz acht. Ihre besten Resultate erreichten sie an der Europameisterschaft 2018 mit dem zweiten Platz und an der Weltmeisterschaft 2019, als sie Vierte wurden. Einzig an Sommerspielen haben sie noch keine Resultate vorzuweisen, da sie beide noch nie daran teilgenommen haben. Dass Olympia 2020 wegen der Pandemie um ein Jahr nach hinten geschoben wurde, haben sie gelassen zur Kenntnis genommen. «Wir haben es so genommen, wie es gekommen ist. Aber wir freuen uns riesig, dass es in diesem Sommer endlich so weit ist», sagt Betschart, die zur Zeit des Gesprächs zusammen mit ihrer Spielpartnerin im Trainingslager auf Teneriffa weilte.

Die vergangenen zwölf Monaten waren für das Duo Hüberli/Betschart nicht nur wegen des Coronavirus aussergewöhnlich. Gleich zwei Mal sind ihre Pläne durchkreuzt worden. Kurz vor Weihnachten 2019 wurde bei Hüberli eine Lungenembolie diagnostiziert. «Wenn du dir plötzlich die Frage stellen musst, ob du wieder gesund wirst, dann treten in diesem Moment alle anderen Gedanken in den Hintergrund. Dann nimmst du das Hier und Jetzt», offenbart sie.

Nach einer erfolgreichen Operation begann Hüberli umgehend mit der Rehabilitation. Der Weg zurück zeigte rapide aufwärts. Bereits im Januar stand sie wieder im Sand – allerdings nicht an Betscharts Seite. «Rund zwei Monate trainierten wir getrennt.» Schritt für Schritt konnte Hüberli die körperliche Belastung steigern und so den Trainingsrückstand aufholen. Das tat sie erfolgreich, wie sie selbst meint: «Als wir wieder Seite an Seite im Sand standen, waren wir schnell wieder auf einem soliden Niveau.» Um den letzten Feinschliff für die bevorstehende Saison zu holen, reiste das Duo Ende Februar 2020 ins Trainingslager nach Teneriffa.

Doch der Aufenthalt auf den Kanarischen Inseln fiel kürzer aus als geplant. Grund war das weltweit grassierende Coronavirus. «Wir flogen unmittelbar vor dem Schweizer Lockdown nach Hause», erinnern sie sich. Wenige Tage später – am 24. März 2020 – entschied das Internationale Olympische Komitee, die Olympischen Sommerspiele in Tokio zu verschieben. Damit war der zweite Rückschlag binnen drei Monaten perfekt.

Sowohl für Hüberli als auch für Betschart war das aber kein Grund, Trübsal zu blasen. «Klar hätten wir gerne eine normale Saison gespielt und Olympische Spiele mit Zuschauern erlebt. Doch wir konnten an dieser Situation nichts ändern», meint Betschart. Statt enttäuscht zu sein und über die zunächst verwehrte Chance nachzudenken, überlegte sich das Duo, wie es sich weiter verbessern kann. Eine Einstellung, die für Trainer jeglicher Sportarten wie Musik klingen dürfte. «Für uns geht es nicht nur um den Wettkampf. Sondern wir trainieren einfach auch gerne. Vielleicht hat uns das geholfen, diese Situationen so gut zu meistern», glaubt Hüberli.

Anders als andere Sportlerinnen setzen sie sich auch keine Ziele in Form von Platzierungen. «Natürlich sind wir mit einem neunten Platz nicht mehr so zufrieden, wie wir das früher noch waren. Aber in erster Linie verfolgen wir Leistungsziele und wollen von Turnier zu Turnier aus früheren Fehlern lernen», betont Hüberli. Trotzdem sind sie sich bewusst, dass sie gegen alle Teams eine Chance haben, wenn alles aufgeht. «Es kann aber auch genauso schnell in die andere Richtung gehen», warnt Betschart. Damit spricht sie die Europameisterschaft im vergangenen Jahr in Lettland an. Als Turniernummer eins und gleichzeitig grösste Hoffnungsträgerinnen der Schweizer Delegation scheiterten sie völlig überraschend bereits im Achtelfinal.

Die Enttäuschung darüber ist schon längst weggesteckt. An der Freundschaft zwischen Hüberli und Betschart hat das schlechte Abschneiden nicht genagt. Das hört man im Gespräch schnell raus. Sie lachen viel und sparen auch nicht mit lieben Worten füreinander. «Ich fühle mich wohl, wenn ich zusammen mit Nina unterwegs bin», gesteht Hüberli.

Ohnehin sehen sich beide als eher harmoniebedürftig und als Familienmenschen. Eigentlich sind das für Profisportlerinnen, die zu normalen Zeiten in der ganzen Welt herumfliegen und kaum einmal zu Hause sind, keine förderlichen Charaktereigenschaften. «Doch bislang gibt uns das Beachvolleyball viel zurück, und wir machen es auch sehr gerne», unterstreicht Betschart. Als nächster Höhepunkt in ihrer Karriere folgen nun die Olympischen Spiele. Wenn alles passt, könnten sie dem Duo eine Medaille einbringen. Es wäre die erste für ein Schweizer Frauenteam im Beachvolleyball. Ihre Namen wären hierzulande plötzlich auch der breiten Öffentlichkeit ein Begriff – so wie es die Olympischen Spiele für Athleten in Randsportarten vorsehen.

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