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Tanja Zimmermann-Burgerstein, CEO Burgerstein

Eigentlich wollte Tanja Zimmermann-Burgerstein nicht unbedingt in das Familienunternehmen einsteigen, für das ihr Grossvater, Lothar Burgerstein, 1972 mit der Gründung der Antistress AG den Grundstein legte. Der Jurist beschäftigte sich nach einem schweren Unfall mit der Regenerationsfähigkeit des Körpers und entwickelte mit einem befreundeten Arzt eine Therapie mit Mikronährstoffen auf Basis der orthomolekularen Medizin, die Mangelzustände ausgleichen soll. Die Antistress AG mit Sitz in Rapperswil ist heute für die bekannten Burgerstein-Vitamine verantwortlich, die es in der Schweiz in jeder Apotheke und Drogerie zu kaufen gibt.

Das Portfolio, über das die 52-Jährige seit 2016 als Geschäftsführerin wacht, umfasst heute über 70 Mikronährstoffpräparate. In der Coronazeit waren diese besonders gefragt. Das Bewusstsein in der Bevölkerung für die Gesundheit und Supplementierung mit Vitaminen und Mineralstoffen war hoch, was sich auch in den Verkaufszahlen des Unternehmens gezeigt hat. Das Geschäftsjahr 2020 ragte heraus, wie Zimmermann im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft» andeutet.

Die gelernte Werbe- und Marketingplanerin, die beruflich lange Zeit in den USA verbrachte, hat die Coronazeit in vielfacher Hinsicht als arbeitsreich empfunden. Im Werk in Rapperswil, wo die Rezeptformulierung, Konfektionierung und Qualitätskontrolle stattfinden, waren strenge Hygienevorschriften schon immer gegeben, doch der Betrieb lief emsiger als zuvor. Zur Herausforderung wurde zudem die Supply Chain. Einige Komponenten für die Herstellung verknappten sich. Etwa die Aminosäuren, die in Schmerzmitteln und Infusionen in der Intensivmedizin wegen der Coronabehandlungen in grossen Mengen gebraucht wurden.

Burgerstein setzt auf nachhaltige Wirkstoffe, die natürlicherweise im Körper vorkommen, wie etwa pflanzliche Öle oder Meeresalgen. Auf körperfremde Hilfsstoffe, Aromen oder Farbstoffe wird ganz verzichtet. Die Präparate sollen den Menschen in verschiedenen Lebensphasen mit Mikronährstoffen unterstützen. Über die Ernährung sei das heute nicht immer möglich, erklärt Zimmermann. «Die Bedürfnisse eines Spitzensportlers, in der Schwangerschaft oder nach einer Operation können nicht allein durch ausgewogenes Essen abgedeckt werden. Das geben die Erzeugnisse unserer Erde und unsere Essgewohnheiten nicht mehr her», sagt sie.

Mittlerweile ist Burgerstein in der Postcovidphase angekommen. Die Supply Chain bleibt schwierig, doch ungewisse Wartezeiten gibt es kaum mehr, obwohl einige Rohstoffe nach wie vor langen Bestellvorlauf brauchen. Rückblickend bewertet Zimmermann die vergangenen Monate kritisch, vor allem was die öffentliche Kommunikation betrifft: «Es wurde ständig betont, was nicht erlaubt ist. Was den Menschen gut tut, stand überhaupt nicht im Fokus. Etwa gesund zu kochen und auf sich, die Familie und die Ernährung achtzugeben und das Immunsystem mit Bewegung und genügend Schlaf zu stärken. Das ist schade und auch eine verpasste Chance», sagt sie. Schon ihr Grossvater habe gesagt, nicht die Krankheit, sondern die Gesundheit müsse man pflegen. Auf diese Tradition setzt Burgerstein weiter. Eine Erweiterung sind die massgeschneiderten Microcare- Supplemente, die in Apotheken zusammengestellt werden. Dazu gehören etwa Wettkampfmischungen für Wintersportler oder Athleten, die nach einer Verletzung in der Aufbauphase sind. Das Konzept würde sich sogar für den Verkauf im Ausland eignen.

Mit den klassischen Produkten bleibt Burgerstein der Schweiz treu. Die Vitaminmärkte ringsherum sind einfach zu satt und vertriebstechnisch und regulatorisch zu aufwendig für ein Familien-KMU. «Wir sind schliesslich keine Bayer oder Nestlé», so Zimmermann. Eine Expansion in fernere Länder ist auch nicht vorgesehen, schon gar nicht nach Asien. «Das haben wir mit kleinen Schritten versucht, doch letztendlich ist es ein Hype, der nicht nachhaltig ist. Es ginge zu viel von unseren KMU-Eigenschaften verloren», ist Zimmermann überzeugt. Das soll auch langfristig so bleiben und durch die Familienstruktur gesichert werden.

Ob es ihre beiden Kinder, die Medizin und Architektur studieren, ins Unternehmen zieht, lässt sie offen. Wohl auch, weil ihr Vater keinen Druck machte, als sie vor gut 25 Jahren ins Geschäft kam und zunächst für das Marketing verantwortlich war, bevor sie operativ die Leitung übernahm. Zuvor gab es zwischen ihrem Vater und ihr noch einen externen CEO. Die Übergabe gelang dadurch weniger emotional. «Es gibt viele Möglichkeiten, einen Betrieb in der Familie zu halten. Doch so eine Übergangsphase mit einem externen Geschäftsführer kann ich bestens empfehlen», sagt sie. Möglich also, dass auch sie diesen Weg wählt.

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Leser-Kommentare

Stefan Huber 18.07.2021 - 12:19
Als intensiver Sportler befasse ich mich seit vielen Jahren mit der Ernährung. Eben auch mit Ergänzungsnahrung und Zusatzpräparaten. Habe mich auch schon mit mehreren Mediziner darüber unterhalten. Für die meisten Menschen sind die überall angeboten Produkte meistens überflüssig. Eine ausgewogene Ernährung und ein gesunder Lebenswandel reichen völlig aus. Fazit: die oft überteuerten Produkte sind meistens völlig überflüssig und reine Geldverschwendung.… Weiterlesen »