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Tillmann Lang, CEO und Gründer von Yova

Tillmann Lang ist ein lösungsorientierter Mensch. Dem Gründer und CEO von Yova, einem auf nachhaltige Vermögensverwaltung spezialisierten Fintech, geht es bei der Bekämpfung des Klimawandels nicht um Verbote, sondern darum, Antworten zu finden, die so gut sind, dass Menschen sie freiwillig nutzen. Ein schönes Beispiel dafür sei Tesla; mittlerweile würden die Elektroautos wegen ihrer Qualität und nicht in erster Linie aus Umweltgründen gekauft, findet der 37-Jährige. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der studierte Mathematiker und Informatiker, der vor der Gründung des Fintech bei McKinsey und an der ETH Zürich gearbeitet hat (Lang: «immer an der Schnittstelle zwischen Nachhaltigkeit, Finanzmarkt und Technologie»), auch bei Yova.

Die Homepage des Fintech ist klar strukturiert, ein persönliches Portfolio lässt sich in wenigen Schritten zusammenstellen. Strukturiert wird es in erster Linie anhand der Themen, die Nutzer für sich auswählen: beispielsweise Reduktion von Emissionen, Geschlechtergerechtigkeit oder besserer Zugang zu Medikamenten. Ebenso lassen sich Ausschlusskriterien definieren, etwa Nuklearenergie, Tierversuche oder fossile Brennstoffe. Insgesamt zwanzig verschiedene Themen rund um Nachhaltigkeit hat Yova definiert, dazu kommt noch die Frage nach dem individuellen ­Risikoprofil. Aktien, die in Frage kommen, werden aus den 1100 grössten europäischen und amerikanischen Unternehmen ausgewählt. «Wir bewerten sie anhand ihrer Wirkung», sagt Lang. Er spricht deshalb auch ­lieber von Impact Investing als von Nachhaltigkeit. Als Beispiel nennt er Spotify und die Geschlechtergerechtigkeit: Der Streamingdienst hat nicht nur eine hohe Zahl von Frauen im Management, sondern stellt seinen Nutzern auch nach Geschlechtern ausgeglichene Playlists zusammen. Passt mir ein von Yova ausgewähltes Unternehmen nicht, kann ich es ­ausschliessen oder weitere hinzufügen. Wie sich Veränderungen auf Nachhaltigkeit und Wirkung meines Portfolios auswirken, ist sofort ersichtlich. Kunden schätzen die Eigenverantwortung. Zum Teil würden bis zu 200 Firmen ausgeschlossen, erzählt der Yova-CEO.

Der Auswahl und der Verwaltung des Portfolios liegt eine Robo-Advisor-Plattform zugrunde. Neu ist eine solch digitale Vermögensverwaltung nicht. «Yova ist allerdings der einzige Robo Advisor in Europa, der auf Nachhaltigkeit und auf einzelnen Aktien basiert», meint der Yova-CEO beim Gespräch im Zürcher Café Auer. Einen Stock über dem Kaffee, im Impact Hub, hat vor drei Jahren die Geschichte des Unternehmens an­gefangen. Heute zählt das Fintech fünfzehn Vollzeitangestellte und ein paar tausend Kunden. Wie viel Geld sie bei Yova angelegt haben, gibt Lang nicht bekannt. Das grösste Portfolio sei im hohen sechsstelligen Fran­kenbereich, es würden aber auch Schüler und Studenten bei ihnen investieren. Der Mindestbeitrag liegt bei 2000 Fr. Vor kurzem hat Yova eine Finanzierungsrunde durchgeführt. Zu den Geldgebern des Fintech gehören bislang Business Angels und zwei institutionelle Investoren. Zum einen ist dies ein Innovationsfonds der Alternativen Bank Schweiz. Zum anderen ein auf nachhaltige Investments spezialisierter Venture-Fonds aus Mainz. Als Nächstes will Yova nach Deutschland expandieren. Lang hofft, die entsprechende Zulassung im Herbst zu erhalten.

Wie definiert das Fintech denn Nachhaltigkeit? Für Lang hat das viel mit Transparenz zu tun. Deswegen können Anleger bei Yova auch nur in Einzeltitel und nicht in Fonds investieren. Bei solchen sei es viel schwieriger, die einzelnen Komponenten nachzuvollziehen. Zur Analyse ihres Anlageuniversums stützt sich Yova auf Big Data, entweder öffentlich zugängliche oder zugekaufte. Dieser Ansatz hat aber auch Lücken. So fehlt der ­direkte Austausch zwischen dem Fintech und den Unternehmen. Geplant ist aber, dass Rückmeldungen der Nutzer an die Firmen zurückgespielt werden. «Kein Screening ist jemals perfekt», räumt Lang ein. Ihre Aufgabe sei jedoch, möglichst nahe an die Wahrheit heranzukommen.

Das Thema Nachhaltigkeit hat für den Yova-CEO auch angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Covid-19 Pandemie nicht an Bedeutung verloren. Im Gegenteil, durch Corona seien die Menschen noch stärker an ihre Werte erinnert worden. Nicht wie während der Finanzkrise 2008/09, bei der eigentlich niemand verstanden hat, worum es geht. Wie hat sich Yova in den vergangenen Monaten denn geschlagen? Der CEO ist mit der Performance der Portfolios zufrieden. Dass sie bislang gut durch die Krise gekommen sind, schreibt er auch der offensiven Kommunikationsstrategie des Fintech zu. Die Kunden waren nervös, im März liefen die Telefone heiss. Letztlich haben aber gerade einmal zwei Kunden während der turbulenten Tage an den Finanzmärkten ihr Portfolio bei Yova saldiert. Ein paar weitere wechselten zwischenzeitlich in Cash.

Es sei jedoch auch eine unglaublich spannende Zeit gewesen, sagt Lang. Die erste Krise war für Yova aber auch eine Zeit des Erwachsen­werdens. «Es heisst ja, man ist nicht erwachsen, solange einem nie das Herz gebrochen wurde. Ähnliches lässt sich auch für Asset-Manager sagen. Ohne eine Finanzkrise erlebt zu haben, ist man auch nicht richtig erwachsen», sagt Lang.

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