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Timo Helbling, ehemaliger Eishockeyspieler

Die Schlittschuhe hängen seit drei Jahren am Nagel – ausgetauscht gegen schwarze Anzugsschuhe, der Brustpanzer gegen einen Anzug und der Proteinshake gegen einen Matcha Latte von Starbucks. Der ehemalige Eishockeyspieler Timo Helbling ist in der Geschäftswelt angekommen. Und dabei ist ihm sichtlich wohl. Der Weg führte über viele Stationen und ist geprägt von Durchhaltewillen und Zielstrebigkeit.

Am Anfang steht Olten. Beim EHC – der zurzeit im Halbfinal der Swiss League steht – lernt er als Junior das Hockey-ABC. Danach geht er ans neuartige Sportgymnasium in Davos, wo er im Internat sportlich wie schulisch gefördert wird. «Das war die Initialzündung für meine sportliche Karriere», sagt Helbling. «Ohne meine Zeit in Davos wäre ich nie so weit gekommen in meiner Karriere.»

Mit siebzehn Jahren debütiert der Solothurner im Dress des HC Davos. Unter dem legendären Übungsleiter Arno del Curto schnuppert er erstmals professionelle Eishockeyluft. Mit neunzehn verabschiedet er sich nach Nordamerika und spielt als erster Schweizer in der höchsten Juniorenliga – eine wichtige Pionierleistung. Heute versuchen pro Jahr Dutzende Schweizer Junioren ihr Glück in Nordamerika, um den Sprung in die beste Liga der Welt zu schaffen, die National Hockey League (NHL). Gestandene Spieler wie Luca Sbisa, Nino Niederreiter oder Nico Hischier wählten den gleichen Weg wie Helbling.

Für Helbling ist es eine super Lebensschule: «In einem neuen Land, mit neuer Sprache, neuen Mitspielern aus verschiedenen Nationen – und dies mit erst neunzehn Jahren. Es war eine aufregende Zeit in völlig neuen ­Gewässern.» Weil noch niemand aus der Schweiz vorhin diesen Weg gemacht hat, kann er auf keine Erfahrungswerte von anderen zurückgreifen. «Ich war mit zwei Koffern und einer Hockeytasche in Windsor im kanadischen Bundesstaat Ontario angekommen und musste mich selbst organisieren», ergänzt der Vierzigjährige. Abgeschreckt hat ihn das aber nicht.

«Ich habe keine Angst vor dem Unbekannten und habe auch nie den einfachsten Weg gewählt», sagt er. Sein grosses Ziel war immer die NHL, das zu erreichen, habe in sehr motiviert. «Rückblickend hätte ich gerne noch mehr NHL gespielt. Die ganze Zeit hat mich aber sehr geprägt, und ich kann heute noch von diesen Erfahrungen profitieren. Ich bin schon ein Stück weit stolz, diesen Weg gemacht zu haben», fasst der ehemalige Schweizer Nationalspieler die Zeit in Nordamerika zusammen.

Bis er die höchste Liga erreicht, spielt Helbling mehrere Jahre in der zweithöchsten US-Liga, der American Hockey League (AHL). Das ist nicht immer einfach. «In der AHL gab es keine Privatjets, die uns durch Amerika flogen. Wir sassen teils über vierzehn Stunden im Bus, um zu einem Spiel zu gelangen.» Auch die Lohnunterschiede sind beträchtlich. Während der durchschnittliche Jahreslohn in der AHL 50’000 $ beträgt, winkt in der NHL ein Durchschnittssalär von 2,5 Mio. $. Sein Durchhaltewillen wird aber belohnt. Er wird als erster Schweizer Verteidiger in ein NHL-­Kader berufen, einen Tag bevor Mark Streit sein Debüt gibt. Die Spiele für Tampa Bay Lightning und die Washington Capitals von 2005 bis 2007 beschreibt Helbling als die schönste Zeit seiner Hockeykarriere.

Nach sieben herausfordernden Jahren in Nordamerika kehrt er 2007 in die Schweiz zurück und spielt für den HC Lugano. Gleichzeitig bereitet er sich auf sein Leben nach der Hockeykarriere vor. Er beginnt ein Bachelorstudium an der Fachhochschule in Regensdorf und pendelt wöchentlich drei Stunden von seinem Wohn- und Arbeitsort dorthin. «Ich interessierte mich schon immer für Wirtschaft und Märkte. Während meines Bachelorstudiums wurde mir klar, dass die Finanzen eine zweite Passion von mir sind.» Als Belastung empfindet er das Studium nicht, vielmehr ist es für ihn ein Ausgleich zum täglichen Druck in der Sportbranche. 2016 ist er dann sportlich wie schulisch auf dem Höhepunkt: Mit dem SC Bern wird er Schweizer Meister, und an der Hochschule Luzern besteht er sein Masterstudium in Banking und Finance.

Nach dem Abschluss und dem Meistertitel wechselt er zum EV Zug und arbeitet Teilzeit beim Vermögensverwalter FERI Schweiz. 2019 tritt er von der Hockeybühne ab. Er wechselt zum Beratungsunternehmen Deloitte ins M&A Transaction Team – ein gelungener Transfer. «Deloitte öffnet mir viele Türen, ich habe spannende Aufgaben in einem dynamischen Umfeld und arbeite in einem tollen Team, in dem ich mich kontinuierlich weiterentwickeln kann.» So arbeitet er mit beim Aufbau der Schweizer Sports Business Group, die Beratung in der Sportindustrie anbietet.

Neben der Arbeit braucht Helbling aber Bewegung. Die Trendsportart Padel, eine Mischung zwischen Tennis und Squash, hat ihn so begeistert, dass er sich bei PDL Schweiz beteiligt hat. Das Padel-Tennis-Mutterhaus PDL Group hat schon über siebzig Standorte in Skandinavien und will in der Schweiz Fuss fassen. Ein weiterer Kreis schliesst sich, denn einer der Gründer von PDL ist Jonas Andersson, ehemaliger Teamkollege und Mitbewohner aus den Zeiten in Nordamerika. «Er kam auf mich zu, und ich fand die Idee toll.» Der Sport verbindet. «Viele meiner alten Teamkollegen spielen ebenfalls Padel, und wir bleiben in Kontakt.»

Samuel Schweiger

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