Kaffee mit…

Véronique Tischhauser-Ducrot, Vorsitzende der Geschäftsleitung, Pro Senectute Kanton Zürich

Eigentlich wollte sie im letzten Frühjahr bereits die Kirschblütenzeit in Japan geniessen. Aus offensichtlichen Gründen ist die Reise erst einmal auf das kommende Jahr verschoben. Doch der viertgrösste Inselstaat der Welt führt nach wie vor die Bucket List von Véronique Tischhauser an. Sie erkundet gerne die vielfältigen Ecken dieser Welt, ist interessiert an Kultur, Kunst und den Menschen.

Dafür muss man aber gar nicht so weit gehen. Ihr liegt auch der Austausch zwischen den verschiedenen Landesteilen der Schweiz sehr am Herzen. Die Diversität soll gepflegt und ­geschätzt werden. «Es ist durchaus möglich, die Sprache des Gegenübers zu lernen, auch wenn die Person aus einer anderen Ecke der Schweiz kommt. Selbst der Dialekt ist erlernbar», erklärt Tischhauser mit Nachdruck. Die unterschiedlichen Muttersprachen der Schweiz sollten im Schulunterricht stärkere Betonung erfahren. Man müsse sich prinzipiell auf das Fremde einlassen, und dann klappe es auch mit der Verständigung, ist sie überzeugt.

Sie kann mit Fug und Recht behaupten, dass sie diesen Prinzipien auch Leben eingehaucht hat. Während unseres virtuellen Kaffeeplauschs in Schweizerdeutsch sind die Genfer Wurzeln kaum noch zu hören. Bereits in den Neunzigerjahren wagte sie den Sprung über den Röstigraben und hat ihn nie bereut. Von einem Wagnis würde sie allerdings nicht reden.

Dass sie keine Herausforderungen scheut, hat Tischhauser mit ihrem letzten Jobwechsel eindrücklich unter Beweis gestellt. Mitten in einer ­Pandemie den Chefsessel einer Stiftung zu übernehmen, die sich um das Wohl der Risikogruppe kümmert, scheint keine triviale Aufgabe zu sein.  Im vergangenen Sommer hat sie den Posten übernommen und verlässt sich dabei auf 300 Mitarbeiter im Kanton Zürich. «Dank meiner vorherigen Tätigkeit bei der Spitex-Organisation war ich mit den Themen schon vertraut, und von einem Sprung ins kalte Wasser kann man nicht reden», relativiert sie ihren Wechsel. Zudem war bereits seit November 2019 bekannt, dass sie die Verantwortung bei Pro Senectute übernehmen wird.

Mit Sprüngen ins kalte Wasser kennt sie sich übrigens aus. Drei Mal hatte sie früher an den Schweizer Meisterschaften im Synchronschwimmen teilgenommen. Auch die Führungsqualitäten hatte sie schon als Jugendliche bei der Pfadi früh unter Beweis gestellt.

«Eigentlich war der Zeitpunkt meines Stellenantritts bei Pro Senectute am 1. Juli 2020 ideal», erläutert sie. Vonseiten der Pandemie gab es gerade Entspannung, und so hatte Tischhauser in den ersten drei Monaten ihrer Tätigkeit die Möglichkeit, die sieben Dienstleistungszentren der Organisation im Kanton Zürich kennenzulernen. Zudem bestand im Herbst noch die Gelegenheit, die Ortsvertretungen in den Gemeinden zu besuchen. «Trotz Einschränkungen konnte ich mir so ein gutes Bild unserer Organisation machen, und mir war es wichtig, die Menschen kennenzulernen, die hinter unserem grossen Angebot an Dienstleistungen stehen», schwärmt sie von den freiwilligen Helfern, die die Arbeit der Stiftung mittragen. Da viele der Freiwilligen selbst im Rentenalter sind, ist die Aufrechterhaltung des Betriebs während der Pandemie eine Herausforderung, die jedoch sehr gut gemeistert wird, wie Tischhauser versichert.

Ob Sport, Steuerberatung oder Mahlzeitendienst, als Non-Profit-Organisation bietet Pro Senectute eine Reihe von Dienstleistungen an. Rund 3400 ehrenamtliche und freie Mitarbeiter machen die grosse Palette an Kursen und Beratungen im Kanton Zürich erst möglich. Oft nehmen ­Familienangehörige den Kontakt auf, um Entlastung bei Unterstützungsleistungen für die Senioren zu erhalten. Tischhauser lobt indes die grosse Solidarität, die insbesondere in der ersten Welle von der jungen Generation an den Tag gelegt wurde. Ihr strategisches Ziel ist es, den Anteil junger Menschen bei den freiwilligen Helfern zu erhöhen.

In Sachen Erhöhung des Rentenalters für Frauen bezieht Pro Senectute klare Stellung. «Die Anpassung des Rentenalters an die höhere Lebenserwartung ist ein zeitgemässer und wichtiger Schritt», meint Tischhauser dazu. Auch die Präsidentin der Pro Senectute Schweiz, Eveline Widmer-Schlumpf, plädiere mit Nachdruck dafür. Solidarität sei nicht nur in der ­Altersvorsorge, sondern auch in der täglichen Arbeit bei Pro Senectute ein Schlüsselwort, meint Tischhauser. Freiwillige, Spender und Partner bilden eine starke Gemeinschaft.

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