Ein Frachter tuckert durch Kiel. Von der Hauptstadt Schleswig-Holsteins an der Ostsee führt ein Kanal über 98 km an die Mündung der Elbe in die Nordsee: eine der wichtigsten Wasserstrassen weltweit. Mitte März rammte ein Frachter ein Schleusentor; es gab keine Alarmstimmung à la Suez, denn der Schaden war rasch behoben. Um die 30 000 Transportschiffe passieren den Nord-Ostsee-Kanal jährlich, das binnen sieben bis neun Stunden. Sie ersparen sich den Umweg um Jütland, rund 460 km. Natürliche und künstliche Wasserrouten sind die Schlagadern des Welthandels – so etwa die Strassen von Gibraltar, Malakka, Hormus, die Kanäle von ­Panama, Suez oder eben hier der Kaiser-Wilhelm-Kanal (so hiess er bis 1948). Die Wikinger liessen ihre Kähne noch von Ochsen über diese Landenge ziehen. Im 18. Jahrhundert hiess der dänische König einen Kanal graben. 1887 bis 1895 schliesslich wurde das heutige, leistungsfähige Werk erbaut; zuvor,1864, hatte das deutsche Kaiserreich die Dänen nach Norden abgedrängt. Kanzler Bismarck wünschte, dass deutsche Kriegsschiffe von der Ost- in die Nordsee gelangen können, «ohne unter dänischen Kanonen passieren zu müssen». Heute kommen Container vor Kanonen. (Bild: Axel Heimken/Keystone)