Meinungen

Kampf dem Bargeld

Für fast alles Böse in der Welt sei Bargeld verantwortlich. Deshalb soll es abgeschafft werden. Der wahre Grund für diese Forderung ist wahrscheinlich ein anderer. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Sandro Rosa.

«Sparer sollen daran gehindert werden, ihre Gelder zu horten und damit den Notenbanken das Leben unnötig schwer zu machen. »

Am Klimawandel ist Bargeld nicht schuld – immerhin. Sonst aber ist die Liste seiner Verfehlungen lang: Korruption, Terrorismus, Steuerhinterziehung und die illegale Einwanderung gehen auf sein Konto. Das zumindest behauptet niemand Geringerer als Kenneth Rogoff, Harvard-Professor und ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds. All diese Übel lassen sich wirksam bekämpfen, indem man einfach das Bargeld abschafft. Oder wenigstens auf grosse Noten verzichtet und das Halten von Bargeld massiv erschwert. Kenneth Rogoff ist eine gewichtige Stimme im Club der Bargeldgegner.

Ist Geld also tatsächlich die Wurzel allen Übels? Natürlich, Kriminelle schätzen die Anonymität des Bargelds – das gilt aber für viele unbescholtene Bürger auch. Dass sich der Sumpf der Unterwelt mit der Abschaffung von Banknoten trockenlegen liesse, mutet  reichlich naiv an.

Den Bargeldgegnern geht es gar nicht um die Sicherheit – zumal in den USA die Zahl der Gewaltverbrechen seit Jahren sinkt. Der wahre Grund für den Feldzug gegen Bares ist ein anderer: Sparer sollen daran gehindert werden, ihre Gelder zu «horten» und damit den Notenbanken das Leben unnötig schwer zu machen. Ist Cash erst einmal verbannt, lassen sich die Zinsen beliebig ins Negative senken – ausweichen kann man dann nur noch in den Konsum oder die Spekulation.

Ob dies das richtige Rezept ist, um nachhaltigen Wohlstand zu schaffen? Das darf bezweifelt werden. Zumal Kenneth Rogoff  in seinen Forschungsarbeiten selbst gezeigt hat, dass das Wachstum leidet, wenn die Staatsverschuldung überhandnimmt. Bargeld schützt vor waghalsigen geldpolitischen Experimenten. Das wusste bereits Dostojewski, der einst schrieb, Geld sei «geprägte Freiheit».