Neukaledonien steht seit jeher für Nickel. Hier, am Standort Tiébaghi, baggert ein französischer Bergbaukonzern Nickelerz ab, der Verladepier wartet auf den nächsten Frachter. Der Tagebau hinterlässt unschöne Spuren. Just so wie derzeit der gehässig geführte Referendumskampf: Am 4. Oktober wird über die Unabhängigkeit der Inselgruppe im Südpazifik – knapp halb so gross wie die Schweiz, etwas mehr Bewohner als der Thurgau – von Frankreich abgestimmt. Vor zwei Jahren sprachen sich 56,7% dagegen aus; wegen eines Vertrags mit der französischen Regierung von 1998 kann aufgrund bestimmter politischer Prozeduren ein zweites oder gar ein drittes Mal darüber befunden werden (das erinnert an die Kaskade von Jura-Abstimmungen). Frankophilie und -phobie teilen sich ungefähr nach Volksgruppen auf. Die seit alters hier heimischen Melanesier (sie nennen sich «Kanak») möchten eher los von Paris, die Nachfahren der seit dem 19. Jahrhundert zugezogenen Europäer, die «Caldoches», hängen an der Patrie. Kanaky, wie eine formal unabhängige Republik hiesse, wäre jedoch ebenso sehr auf Hilfe von aus­sen angewiesen wie die Nouvelle-Calédonie von heute: Ein Drittel des Staatsbudgets sind Zuweisungen aus Paris.

(Bild: Julien Thomazo/Keystone)