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Kanton Bern kritisiert BKW-Löhne

Der Berner Regierungsrat fordert wenige Tage vor der GV vom Verwaltungsrat, das Vergütungsmodell zu überprüfen.

(AWP) Der Energiekonzern BKW (BKW 63 1.29%) steht im Vorfeld der Generalversammlung wegen der Managerlöhne in der Kritik. Der Kanton Bern, welcher Mehrheitsaktionär ist, erachtet die Entwicklung der Saläre für das oberste Kader als problematisch.

«Mit Sorge» beobachtet der Berner Regierungsrat die Entwicklung der Topsaläre, wie aus einer Mitteilung vom Dienstag hervorgeht. Von einem Reputationsrisiko für den Berner Energieversorger ist die Rede. Der Regierungsrat fordert daher vom Verwaltungsrat, das Vergütungsmodell zu überprüfen.

Gleichzeitig sei er sich bewusst, dass die auffällige Lohnsteigerung im Jahr 2018 wesentlich durch Sondereffekte verursacht wurde. Der Verwaltungsrat solle das Vergütungsmodell anpassen, um künftig eine Entwicklung in dieser Art zu vermeiden.

Zudem erkenne der Regierungsrat die erfolgreiche Unternehmensführung durch den Verwaltungsrat und die Konzernleitung an: «Der Unternehmensspitze ist es gelungen, die BKW strategisch neu auszurichten und beachtliche Profite zu erzielen, die sich in den letzten Jahren positiv auf den Aktienkurs ausgewirkt haben.» Für den Kanton als Mehrheitsaktionär und damit für seine Bevölkerung sei so ein Mehrwert geschaffen worden. Auch im Branchenvergleich habe sich BKW in den letzten Jahren «herausragend gut entwickelt».

Über die Anträge zuhanden der Generalversammlung am kommenden Freitag werde der Regierungsrat am (morgigen) Mittwoch beschliessen.

CEO Thoma mit deutlich höherem Salär

Der Verwaltungsrat von BKW hat die Forderung zur Kenntnis genommen: Er habe den Vergütungs- und Nominationsausschuss beauftragt, das heute gültige Entschädigungsmodell zu überprüfen, heisst es in einer Mitteilung des Konzerns. Verwaltungsratspräsident Urs Gasche werde sich anlässlich der Generalversammlung zu dem Thema äussern.

Für das Geschäftsjahr 2018 erhielt CEO Suzanne Thoma als Vergütung mit 2,03 Mio. nach 1,3 Mio. deutlich mehr als im Vorjahr, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Die Konzernleitung insgesamt erhielt 5,67 Mio. Fr. nach 4,82 Mio. Der Verwaltungsrat wurde mit insgesamt 932’000 Fr. nach 888’000 Fr. im Vorjahr entlöhnt.

BKW hatte im vergangenen Jahr den Umsatz um 7% auf 2,68 Mrd. Fr. gesteigert, unter dem Strich allerdings einen zum Vorjahr um 25% tieferen Reingewinn von 203 Mio. Fr. ausgewiesen. Der Grund dafür war die Entwicklung der Anlagen im milliardenschweren Stilllegungs- und Entsorgungsfonds: Nachdem dieser im Vorjahr eine sehr hohe Rendite erzielt hatte, fiel diese 2018 im volatilen Finanzmarktumfeld negativ aus.

Gleichzeitig hatte der Verwaltungsrat beschlossen, ab dem Jahr 2018 die festen Entschädigungen für den Verwaltungsrat – erstmals seit 2009 – leicht anzuheben. Zudem sollten die Gesamtvergütungen für die Konzernleitung «schrittweise an das Marktniveau herangeführt werden». Die Erhöhung trage gleichzeitig dem starken Wachstum von BKW Rechnung, hiess es im Vergütungsbericht.

Der Kanton Bern hält 52,5% an BKW. Im Streubesitz befinden sich 37%. Die Aktie legte im vergangenen Jahr knapp 19% zu, während der Gesamtmarkt gemessen am SPI (SXGE 11826.61 1.24%) 8,6% nachgab. Im laufenden Jahr stehen BKW gut 4% im Minus.

Kanton Bern drängt  auf Realisierung von Trift-Wasserkraftwerk

Der Kanton Bern erwartet vom Energiekonzern BKW, dass er die Realisierung des Wasserkraftwerks am Triftgletscher aktiv vorantreibt. Dies macht die Berner Regierung in ihrer Antwort auf eine überparteiliche Motion des Grossen Rates klar.

Der Regierungsrat habe zwar keine rechtlichen Möglichkeiten, der BKW Investitionsentscheide vorzuschreiben. Dennoch erwarte er als Vertreter des Mehrheitsaktionärs, «dass die BKW aktiv mitarbeitet», damit das Wasserkraftprojekt Trift möglichst rasch realisiert werden könne.

Dafür werde man sich im Rahmen der strategischen Gespräche mit der BKW-Spitze engagieren, verspricht die Regierung in ihrer am Dienstag publizierten Antwort auf eine überparteiliche Motion von SP, SVP, FDP, EVP, Grünen, BDP. Der Vorstoss wurde bereits von einer Mehrheit des Parlamentes unterzeichnet.

Investition von 400 Mio. Fr.

Die BKW-Tochter Kraftwerke Oberhasli (KWO) reichte das Konzessionsgesuch für ein neues Wasserkraftwerk am Triftgletscher im November 2017 ein. Das Kraftwerk im Gadmental soll dereinst rund 30’000 Haushalte mit Strom versorgen. Die Investitionskosten werden auf rund 400 Millionen Franken geschätzt.

Finanziert würde das Projekt von den Aktionären der KWO – also hälftig von der BKW AG und den Städten Bern, Basel und Zürich. Geplant ist die Konzessionserteilung Mitte 2020, die Baubewilligung auf Frühjahr 2022 und der Baustart für 2023. Erst in diesem Moment wird der Investitionsentscheid der KWO fällig.

Laut der Regierung steht die BKW dem Projekt Trift grundsätzlich positiv gegenüber. Der Energiekonzern befürchte allerdings, dass die Investition «trotz namhaften Beiträgen von Bund und Kanton zu wenig rentabel sein kann», heisst es in der Stellungnahme der Regierung weiter.

Für die Regierung sei die Förderung der Wasserkraft ein «hoch strategisches Thema». Der Kanton wie auch der Bund seien zudem von der langfristigen Wirtschaftlichkeit der Wasserkraft überzeugt.

Die komplette Historie zu BKW finden Sie hier. »

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