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Kantonalbanken in der Offensive: Gratisgeld für KMU

Die Berner Kantonalbank stellt in der Coronakrise ihren KMU-Kunden 50 Mio. Fr. zusätzliche Liquidität zur Verfügung, zinslos – eine Kampfansage an die Grossbanken.

Die BEKB (BEKN 225 0.9%) verspricht der Wirtschaft «per sofort unkomplizierte finanzielle Hilfe zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen». Den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) werden als sogenannte Sonderdarlehen insgesamt 50 Mio. Fr. zinsfrei zur Verfügung gestellt. Dies hat die Bank am Mittwochabend bekannt gegeben.

Die Sonderdarlehen der BEKB stünden für «bestehende Kunden» bereit und seien auf einen Maximalbetrag von 200’000 Fr. pro Kunden limitiert, schreibt die Bank. Die Darlehensmodalitäten seien flexibel ausgestaltet und würden individuell festgelegt. «Voraussetzung für die Auszahlung von Liquiditätshilfen sind ein intaktes Geschäftsmodell und gesunde finanzielle Verhältnisse vor Ausbruch der Coronakrise», heisst es.

Von günstig bis gratis

Die Zeit drängt, nächste Woche sind die Löhne fällig. Die Kantonalbanken von Zürich und Luzern haben in den letzten Tagen ebenfalls zusätzliche Summen als Liquiditätshilfe versprochen. Die Ankündigung der BEKB ist aber die erste explizite Kreditzusage zum Nulltarif.

Die Luzerner Kantonalbank (LUKN 376.5 0.13%) hat diese Woche ebenfalls 50 Mio. Fr. zusätzlich angekündigt. In Luzern ist das Angebot aber nicht auf 200’000 Fr. limitiert, sondern gilt auch für grössere Firmen mit «deutlich höherem Liquiditätsbedarf», erklärte Daniel Salzmann, CEO der LUKB, gegenüber der FuW. Preislich gehen die Innerschweizer aber nicht ganz so weit wie die Berner: «Die LUKB bietet die Liquiditätshilfen zu einem gegenüber den üblichen Marktkonditionen stark reduzierten Zinssatz an.» Konkret verlangt die Bank 1,25% jährlich für maximal fünf Jahre. Üblicherweise kosten Blankokredite 3,25 bis 4%. Als erstes Staatsinstitut hatte vor fast zwei Wochen die Zürcher Kantonalbank (ZKB) die Bereitstellung von 100 Mio. Fr. angekündigt, ohne Angabe von Preisen.

Mieterlasse

Die Graubündner Kantonalbank (GRKP 1465 0%) (GKB) wiederum gab keinen konkreten Betrag für ihre Hilfeleistung an. CEO Daniel Fust versprach, «abgestimmt auf anstehende Bundesentscheide schnellstmöglich entschärfende Lösungen für die gesamte Bündner Wirtschaft zu verwirklichen». Konkret will die Bank bei Liquiditätsengpässen «einfach, schnell und unbürokratisch» helfen, indem «im Bereich von Amortisationen beispielsweise Fälligkeiten verschoben werden».

Brisant könnte folgende Ankündigung von Fust werden: «Wir werden im ganzen Kanton beispielsweise auch als Vermieter Kulanz zeigen, wenn es um die Fälligkeiten von Mieten geht, die zum Problem werden.»

Grossbanken im Nachteil

Ob das Gratisgeld wirklich günstig ist, ist eine Frage der Perspektive. Bis vor wenigen Wochen war Liquidität insofern ein Problem für die Banken, als sie zu viel davon hatten. Dieses Zuviel mussten sie zu Negativzinsen bei der Nationalbank platzieren. Wenn sie es nun zu 0% vergeben können, ist das prima vista ein gutes Geschäft.

Erst im Februar hat zudem die Luzerner Kantonalbank eine 275-Mio.-Fr.-Anleihe über 8,5 Jahre begeben und sich damit zu Negativzinsen refinanzieren können. Auch die Anleihe, die die Berner Kantonalbank im Herbst emittiert hatte, ermöglichte ihr eine Refinanzierung zu Zinsen unter null.

Selbst wenn eine Bank für die Sonder-Liquidität etwas verlangt, dürfte das zu wenig sein, um die Risikokosten zu amortisieren. Der Erfolg der Liquiditätshilfen wird aber dereinst nicht daran gemessen werden. Erfolg ist, wenn die Wirtschaft wieder auf die Beine kommt.

Gebot der Stunde

Liquiditätshilfen sind das Gebot der Stunde. Der Ball liegt bei den Banken. Nur sie können schnell und unbürokratisch vorgehen und so verhängnisvolle Kettenreaktionen verhindern. Die Kantonalbanken als führende Kreditinstitute in ihrem jeweiligen Marktgebiet sind in erster Linie angesprochen. Ihr Marktanteil im KMU-Geschäft liegt in den meisten Kantonen bei mindestens 50%.

Zwar ist es jetzt nicht der Augenblick für politische Grundsatzdiskussionen. Aber das Gratisangebot der Kantonalbanken dürfte noch zu reden geben. So hilfreich das gemeinsame Vorgehen von Bund, Kantonen und Kantonalbanken in der Coronakrise ist, so heikel ist es aus wettbewerbsrechtlicher Sicht.

Die Grossbanken haben auch ein umfangreiches Firmenkundengeschäft. Sie haben Hilfsbereitschaft signalisiert und wollen ihr Vorgehen mit dem Bund abstimmen. Die Rede ist von einem Fonds über 20 Mrd. Fr. Weder UBS (UBSG 11.01 -0.63%) noch Credit Suisse (CSGN 9.946 -0.79%) können sich aber als Konzerne zu Negativzinsen finanzieren. Ihr Finanzierungsmix unterscheidet sich von demjenigen der Inlandbanken, unter dem Strich dürften die Unterschiede aber nicht sehr gross sein. Trotzdem dürfte es den Grossbanken schwerfallen, den Schweizer KMU gleich plakativ attraktive Angebote zu machen wie die Kantonalbanken. Aus Konkurrenzgründen müssen sie aber mit den Kantonalbanken gleichziehen, um im Geschäft zu bleiben. Die Kantone mit ihren Banken könnten die Grossbanken sonst aus dem KMU-Markt verdrängen. Auf jeden Fall stellen die KB-Initiativen das Geschäftsmodell von Credit Suisse und UBS unter zusätzlichen Druck.