Märkte / Derivate

Kapitalschutz und Hebel statt Barriere

Strukturierte Produkte sind im Aufwind, der Umsatz steigt. Der Euro als Basiswährung gewinnt.

Der Markt für strukturierte Produkte bleibt im Aufschwung. Zwar ist der Umsatz im dritten Quartal mit 76 Mrd. Fr. geringer ausgefallen als im zweiten, die Abnahme beträgt 8%. Im Vergleich zum Vorjahresquartal hingegen resultiert ein Wachstum von 17%. Das zeigt der am Montag veröffentlichte Markt­report des Schweizerischen Verbands für Strukturierte Produkte (SVSP).

Dem vermeintlichen Gegensatz liegt ein Muster zugrunde: Im ersten Quartal ist der Umsatz jeweils am höchsten, danach nimmt er ab. Diese Entwicklung zeigt sich in den Jahren 2015, 2016 und 2018. Das Jahr 2017 ist die Ausnahme, und frühere Daten sind nicht verfügbar.

In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz im Vorjahresvergleich 22%. Das dritte Quartal 2018 liegt über allen Quartalen der drei früheren Jahre. Damit bestätigt der Markt den Aufwärtstrend seit 2017.

Börsenumsatz nimmt zu

Den Umsatz bezeichnet der SVSP als Wertschöpfung. Verbandspräsident Georg von Wattenwyl erklärt, bei einem Anlagefonds sei das verwaltete Vermögen wichtig, also der Anlagebestand. Um den Markt für strukturierte Produkte zu beurteilen, zeige der SVSP den gesamten Umsatz, börslich und ausserbörslich. «Die Kauf- und Verkaufstransaktionen und damit der Umsatz entsprechen der Wertschöpfung», sagte von Wattenwyl letztes Jahr im FuW-Interview.

In früheren Marktreports habe der ausserbörsliche Umsatz gefehlt, hielt von Wattenwyl fest. Dieses sogenannte OTC-Geschäft (Over the Counter) hatte im dritten Quartal einen Anteil von 67%, das ist etwas weniger als die in den Vorjahren üblichen 70%. Über den Zuwachs an der Börse dürfte sich die SIX Swiss Exchange freuen. Das von ihr rapportierte Handelsvolumen stagnierte allerdings von Juli bis September auf tiefen 1 Mrd. Fr. pro Monat. Erst im Oktober sprang es auf 1,3 Mrd. Fr.

Garantie statt Extremrisiko

Neben den Zahlen der Börse gibt es Daten der Schweizerischen Nationalbank zum Bestand in den Bankdepots, also dem investierten Vermögen. «Auch in der SNB-Statistik zeigt die Tendenz aufwärts», sagte von Wattenwyl im Januar. Diese Prognose hat sich bislang nicht bewahrheitet. Das Anlagevermögen bleibt seit März unter den davor üblichen 200 Mrd. Fr. Der Anteil der strukturierten Produkte am gesamten investierten Vermögen – mit Aktien, Obligationen, Fonds usw. – beträgt knapp 3%.

An Umsatzanteil verloren haben gemäss SVSP die beliebten Barriereprodukte mit Coupon, sie machen den Hauptharst der Produktkategorie Renditeoptimierung aus. Dort sank der Anteil von 57% im dritten Quartal 2017 auf 47%.

Gewonnen hat die Kategorie Kapitalschutz, ihr Anteil stieg von 14 auf 15%. Seit Herbst 2016 hat sie ihr Gewicht verdreifacht. Die Verschiebung deutet darauf hin, dass sich die Vorlieben der Anleger in den letzten zwei Jahren ein Stück weit geändert haben. Kapitalschutz garantiert die Rückzahlung des Nominalwerts oder in Varianten zumindest 90 bis 95% davon.

Im Unterschied dazu schützen Barriereprodukte nur gegen einen Kursverlust des Basiswerts bis zur Barriere. Der Anleger tritt als Versicherer auf, denn in einer Baisse trägt er den Schaden, falls sich der Basiswert vor dem Ende der Laufzeit nicht mehr erholt. Damit deckt der Anleger das Extremrisiko eines Börseneinbruchs ab. Dafür bekommt er die Versicherungsprämie, konkret den Coupon. Weniger Barrieren und mehr Kapitalschutz – die Investoren sind offenbar vorsichtiger geworden.

Euro mit Aufwertung

Das gilt jedoch nicht für alle Anleger. Bei den Hebelprodukten ist der Umsatzanteil von 16 auf 21% gestiegen, dazu gehören etwa Call- und Put-Warrants (Optionsscheine). Dort ist das Risiko naturgemäss hoch. Puts dienen auch zur Absicherung des Portfolios, doch davon werden wenig gehandelt. Calls hingegen werden meist für die kurzfristige Spekulation eingesetzt.

Strukturierte Produkte werden in verschiedenen Währungen aufgelegt. Die Branche exportiere viel, auch nach Asien, sagt von Wattenwyl. Die meisten Produkte sind denn auch in Dollar denominiert, dort ist der Umsatzanteil aber von 48 auf 38% gefallen. Zugelegt hat vor allem der Euro. Sein Wechselkurs zum Franken betrug 2017 im Durchschnitt 1.11 und 2018 1.16 Fr./€. Die Aufwertung der Gemeinschaftswährung ist ihrem Status als Anlagewährung zuträglich.

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