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Kardex ist noch im Rückstand

Analyse | Der Lagerlogistiker leidet stärker unter der Pandemie als erwartet. Doch die Aussichten bleiben vielversprechend.

Kardex (KARN 291.50 +3%) spürt die Nachwehen des globalen Lockdown. Und so fiel die erwartete Erholung im zweiten Semester 2020 schwächer aus als vom Markt prognostiziert. Die Anbieterin von Lagerlogistiklösungen verfehlte damit die Erwartungen für das Geschäftsjahr 2020 sowohl bei der Umsatz- wie der Gewinnentwicklung. Dennoch haben die Zürcher die Profitabilität hoch gehalten und können sich auf eine weiterhin starke Bilanz verlassen, die Investitionen in Wachstum erlaubt. Es reicht zudem für eine etwas niedrigere Dividende von 4 Fr. (VJ: 4.50 Fr.).

Trotz Umsatzschwund schaffte Kardex mithilfe von Sparmassnahmen eine Ebit-Marge 13,4% und konnte damit das Vorkrisenniveau halten. Auf einen Ausblick wird wegen der gegenwärtigen Unsicherheit verzichtet. Das Management geht jedoch von einer weiteren Erholung des Umsatzes aus. Die Mittelfristziele einer Ebit-Marge von 8 bis 16% und eines jährlichen Umsatzwachstums zwischen 4 und 5% stehen. Die Kardex-Aktien nahmen das Ergebnis trotz Verfehlen des Analystenkonsenses positiv auf und gewannen am Donnerstagmorgen zeitweise rund 2%. Seit Anfang Jahr haben sie aber erst wenig Boden gutgemacht.

Mlog stabiler

Obschon sich wegen der Pandemie der Trend vom stationären Handel zum Onlineverkauf deutlich verstärkt hat, gilt Kardex nicht als Coronagewinnerin. Der Auftragseingang sackte im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel ab und erholte sich in der Folgeperiode nur rund 8%. Vor allem in der Division Remstar, die Bereitstellungssysteme für hoch verdichtete Lager anbietet, blieben die Aufträge aus. Das hat mit den vielen Industriekunden aus der Auto- und der Maschinenbaubranche zu tun. Remstar steuert vier Fünftel zum Konzernumsatz bei.

In der zweiten Division, Kardex Mlog, die automatische Materialflusssysteme und Hochregallager anbietet, präsentierte sich ein freundlicheres Bild. Obschon auch hier ein Umsatzrückgang von rund 8% verbucht wurde, haben sich Auftragseingang und -bestand zum Vorjahr deutlich verbessert. Mlog ist im Vergleich zu Remstar der bedeutend kleinere und weniger profitable Geschäftsbereich, zudem ist sie hauptsächlich auf Deutschland ausgerichtet. Während Remstar auf eine Betriebsgewinnmarge von 17% kam, schaffte Mlog rund 4%.

Robuste Bilanz

Der rückläufige, aber robuste Betriebsgewinn führte im Gleichschritt zu einem etwas niedrigeren Gewinn von rund 41 Mio. Fr. und deshalb auch zu einer Stutzung der Dividende. Kardex rentieren aktuell mit rund 2%, was angesichts des Wachstumsanspruchs und geplanter Investitionen in IT und Lieferkette eine respektable Rendite ist. Überhaupt kann sich das Unternehmen auf eine Bilanz stützen, die mit einer Eigenkapitalquote von 63% äusserst robust ist. Ausserdem verfügt es über ein dickes Cashpolster von rund 122 Mio. Fr. – das entspricht fast 30% des Umsatzes.

Dieser hohe Cashanteil wirft Fragen bezüglich effizienter Kapitalallokation auf, sorgt in volatilen Zeiten aber für Sicherheit und finanzielle Flexibilität. Kardex ist gut positioniert, um vom strukturellen Wachstum im E-Commerce und in der automatisierten Lagerlogistik zu profitieren. Eine breite Kundenbasis in zyklischen Branchen könnte zudem kurzfristig für einen Auftragsschub sorgen. Die Aktien sind mit einem KGV (2021) von 28 nicht günstig bewertet, bleiben für risikofähige Anleger langfristig aber attraktiv.

Die komplette Historie zu Kardex finden Sie hier.»