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Kaufen jetzt nur noch die Dummen?

Gemäss Bank of America verkaufen die professionellen Anleger Aktien im Rekordtempo. Private kaufen dagegen weiter.

Alexander Trentin

Wöchentlich gibt die amerikanische Grossbank Bank of America Merrill Lynch (BofA) bekannt, wie viel ihre Kunden in Aktien investieren.

Die gute Nachricht: Privatanleger kaufen laut BofA seit Anfang Juni wieder Aktien.

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Quelle: Bank of America Merrill Lynch

Bedenklich ist nun: Vergangene Woche kam es zu einem Rekord – institutionelle Investoren haben durch BofA in den letzten vier Wochen so viel wie noch nie an Aktien verkauft. Auf Wochenbasis war das die stärkste Verkaufswelle seit März. Überraschenderweise sind die institutionellen Investoren schon seit Jahresanfang auf der Verkäuferseite zu finden.

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Quelle: Bank of America Merrill Lynch

Nimmt man an, dass den professionellen Investoren zumindest ein besseres Markttiming gelingt als den privaten Anlegern, dann könnte man polemisch meinen: Die Aktien sind so teuer, dass sie nur noch von den «Dummen» gekauft werden. Ist das ein Zeichen für den anstehenden Zusammenbruch der Aktienmärkte?

Die folgende Grafik reicht bis Mai und stellt nach Daten des Investment Company Institute (ICI) den monatlichen Zufluss in globale Aktien dar – insgesamt und nur von institutioneller Seite. Dazu zeigt die Grafik die monatliche Performance des Aktienindex S&P 500:
ICI

Quelle: ICI, Bloomberg

Was auffällt: Demnach kaufen die institutionellen Investoren zwar seit Jahresanfang immer weniger Aktien, sind aber weiterhin nicht auf der Verkäuferseite. Und zum ersten Mal seit April fliesst stetig neues Geld in den Aktienmarkt. Ein Vorlaufindikator lässt sich aus den institutionellen Mittelzuflüssen nicht herauslesen, eher verhalten sich die Zuflüsse im Gleichschritt mit der Performance.

Die Zahlen von BofA sind also mit Vorsicht zu geniessen. Vielleicht sind die hohen Abflüsse ein Zeichen, dass institutionelle Anleger nun Gewinne bei Aktien einkassieren. Derweil finden viele Privatinvestoren erst langsam wieder Zuversicht in den Markt, was für einen neuen Mittelzufluss sorgen sollte.

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