Das Reiterstandbild Bogdan Chmelnizkis vor der Kulisse des Klosters St. Michael: Kiew bietet dramatische Szenerien und wäre ein Reise wert. Wären da nicht Viren – das Covid-Virus und das Kreml-Virus, das Risiko, plötzlich einem russischen Panzer im Wege zu stehen. Moskaus Machthaber Putin gefällt es, der Ukraine kaum verblümt mit Krieg zu drohen. Kraftmeierei ist eben anspruchsloser, als das eigene Land endlich zu modernisieren. Chmelnizki, ca. 1595–1657, symbolisiert die ungemütliche Lage der Ukraine ganz gut. Als Hetman (Anführer) der Dnjepr-Kosaken – wehrhafte Frei­bauern, vom turksprachigen «Kazak», freier, unabhängiger Mensch – rebellierte er mit Erfolg gegen die Oberherrschaft des polnischen Adels. Er wird manchenorts als Gründer des ersten ukrainischen Staats verstanden. Allerdings mobilisierte Chmelnizki das erstarkende Moskauer Zarentum gegen Polen – mit unbeabsichtigten Folgen bis heute. Chmelnizki ziert ukrainische Münzen und Noten, doch er war auch ein beliebtes Sowjet-Sujet. Die barbarischen ­Bolschewiken sprengten übrigens 1936 St. Michael; nach der Unabhängigkeit 1990 scheute die arme Ukraine keine ­Kosten, um den prächtigen Sakralbau neu zu errichten. (Bild: Efrem Lukatsky/Keystone)