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Kein Ende der Dollar-Schwäche

Die Stimmung gegenüber der US-Währung fällt auf ein Mehrjahrestief. Dafür gibt es zwei Gründe.

Der Dollar fällt immer tiefer. Seit Ende November 2016 hat sich die US-Währung gegenüber dem Franken 7,5% abgewertet. Am Freitag kostete 1 $ erstmals seit Oktober 2015 weniger als 95 Rp. Gegenüber dem Euro hat sich der Dollar in den letzten neun Monaten sogar fast 11% verbilligt. Auch verglichen mit dem britischen Pfund, dem japanischen Yen und dem chinesischen Renminbi hat die US-Währung Terrain eingebüsst. Der handelsgewichtete Dollar-Index fiel von 103 Ende Jahr auf 93,3.

Die Stimmung gegenüber der US-Währung hat gemäss Morgan Stanley (MS 101.91 +0.11%) den tiefsten Stand seit 2009 erreicht. Für den Pessimismus gibt es zwei Gründe. Zum einen ist das Vertrauen in die politische Durchsetzungsfähigkeit der Regierung von Donald Trump bereits erschüttert. Mit der Gesundheitsreform ist ein zentraler Punkt im Wahlprogramm der Republikaner erneut im US-Senat gescheitert. Beobachter sehen darin ein schlechtes Omen für weitere Vorstösse. Dabei hätte das geplante Wirtschaftsprogramm des Republikaners der US-Konjunktur und dem Dollar weiteren Auftrieb verleihen sollen – dank Infrastrukturinvestitionen und einer Steuersenkung für Unternehmen.

Gleichzeitig haben sich die Erwartungen an die weiteren Zinsschritte der US-Notenbank Fed verändert. Die guten Konjunkturdaten hatten viele Marktteilnehmer Ende 2016 als Hinweis auf eine noch restriktivere Geldpolitik in den USA genommen. Steigt die Zinsdifferenz gegenüber anderen Währungsräumen, werden Dollaranlagen in der Regel attraktiver.

Doch in der Zwischenzeit hat sich die Rhetorik des Fed verändert. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung im laufenden Jahr weiter hoch, aber die Einschätzung von Fed-Chefin Janet Yellen zur Konjunktur ist zurückhaltender geworden. Die Inflation hat trotz rekordtiefer Arbeitslosigkeit noch nicht den Zielwert von 2% erreicht. Demgegenüber strebt die Europäische Zentralbank (EZB) das Ende der Nullzinspolitik an.

Die Enttäuschung durch die Politik der US-Regierung ist nur der Anfang, glauben die Analysten von UniCredit. So könnten die Ermittlungen im Zusammenhang mit der Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf den Dollar noch stärker unter Druck bringen. Insbesondere gegenüber dem Euro, der sich angesichts des Kurswechsels der EZB weiter aufwerten könnte, dürfte die US-Währung mittelfristig Terrain verlieren. Ein Ende der Dollar-Schwäche ist derzeit nicht in Sicht.