Meinungen

Kein Ende der Malaise

Immer mehr Rohmaterial wird knapp und teuer. Es ist an der Zeit, über neue Materialkreisläufe nachzudenken. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Rainer Weihofen.

«Mit weiteren Störungen des weltweiten Materialflusses ist zu rechnen.»

In den Einkaufsabteilungen der Industrieunternehmen wird Chaos zum Normalzustand. Am Anfang war es der durch extrem hohe Nachfrage bedingte Mangel an Halbleitern, der für rauchende Köpfe bei den Einkäufern sorgte. Dann trieben ihnen die von Corona verursachten und bis heute anhaltenden Staumeldungen von den Containerhäfen in Asien und Amerika Sorgenfalten auf die Stirn. Lieferzeiten für bestellte Produkte sind unberechenbar.

Gebannt starren die Einkäufer nun seit drei Monaten auf die immer länger werdenden Sanktionslisten der Europäischen Union, die den Import von Rohmaterialien aus Russland verbieten. Und wenn der amerikanische Präsident militärischen Beistand für Taiwan verspricht, wirkt das auch nicht beruhigend auf die Lieferkettenmanager.

Ersatz für nicht mehr erhältliche Rohmaterialien zu finden, ist nicht leicht, bisweilen gar unmöglich. Kabelbäume aus der Ukraine für die europäische Automobilindustrie sind ein markantes Beispiel für das Fehlen von Ersatz. Ein anderes Beispiel ist Industrieruss, der für Autoreifen gebraucht wird und in grossen Mengen aus Russland kommt. Russ ist zwar noch nicht sanktioniert, doch im Fall der Fälle würden die in anderen Ländern vorhandenen Kapazitäten schnell an ihre Grenzen stossen.

Ein Ende der Malaise ist vorläufig nicht in Sicht, und mit weiteren Störungen des weltweiten Materialflusses ist zu rechnen. Es ist an der Zeit, über neue Materialkreisläufe nachzudenken. So wird heute zum Beispiel nur ein winziger Bruchteil der ausrangierten Altreifen in den Herstellungsprozess zurückgeführt – eine ungeheure Verschwendung von mühsam beschafftem Rohmaterial.