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Kein Ende der Marktturbulenzen in Sicht

Die Ereignisse der vergangenen Woche haben gezeigt, dass ein Ende der Marktturbulenzen noch nicht in Sicht ist.

Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist, Invesco Ltd

Störende Geldpolitik

Vor etwa zehn Jahren setzten viele der grossen Zentralbanken im Nachgang der globalen Finanzkrise auf eine ultralockere – und zumeist experimentelle – Geldpolitik. Die Rückkehr von einer extrem akkommodierenden zu einer normaleren Geldpolitik kann Marktstörungen verursachen. Daher bemühen sich die Zentralbanken aktuell darum, diesen Prozess möglichst schonend durchzuführen. Das an sich ist ein Experiment, das es so noch nicht gegeben hat.

Besonders deutlich wird das am Beispiel der britischen Notenbank (BOE), die sich aufgrund des bevorstehenden Brexits mit einer besonders komplizierten Situation konfrontiert sieht. Bis vor einem Monat wurde erwartet, dass die BOE die noch ganz am Anfang stehende Zinsstraffung mit einem weiteren Zinsschritt bei ihrer Sitzung im Mai fortsetzen würde. Doch nachdem die Bank über mehrere Wochen Andeutungen gemacht hatte, dass ein solcher Zinsschritt nicht gesichert sei, stimmte ihr geldpolitischer Ausschuss bei seiner Sitzung in der vergangenen Woche mit sieben zu zwei Stimmen für eine Beibehaltung des aktuellen Leitzinsniveaus von 50 Basispunkten. Ausserdem senkte die BOE ihre Prognose für das britische BIP-Wachstum im Jahr 2018 von 1,8% auf 1,4%.

Die BOE hatte die Flexibilität, die Zinsen stabil zu halten, weil die Inflation mit einer Jahresrate von 2,5% im März schwächer als erwartet ausgefallen war.1 Vor dem Hintergrund der Unsicherheiten rund um den Brexit macht diese Entscheidung meiner Ansicht nach Sinn. Wirtschaftspolitische Unsicherheiten sind eine sehr starke negative Kraft, die in der Vergangenheit häufig dazu geführt hat, dass sich die Unternehmen mit ihren Investitionen zurückgehalten haben. Der Brexit ist nur einer der geopolitischen Störfaktoren, die in verschiedenen Teilen der Welt wirken.

Störende geopolitische Faktoren

Die geopolitischen Risiken, mit denen wir es aktuell zu tun haben – und zu denen auch der Brexit gehört -, sind zu grossen Teilen eine Folge des Populismus, einer starken Kraft. Der Populismus hat in letzter Zeit unterschiedliche Länder quasi überrollt, darunter auch Italien, wo sich die Fünf-Sterne-Bewegung und die Lega (ehemals Lega Nord) gerade auf eine Koalitionsregierung geeinigt haben. Dieses Arrangement hat das Potenzial, sich zu einer Art Frankensteins Monster zu entwickeln: Die Lega hat sich eine einheitliche Unternehmens- und Einkommenssteuer von 15% auf die Fahnen geschrieben, während die Fünf-Sterne-Bewegung Italiens Geringverdienern ein Grundeinkommen versprochen hat. Beides zusammen könnte die Staatsausgaben erhöhen, die Staatseinnahmen zugleich aber reduzieren. Eine Zusammenstückelung dieser widersprüchlichen politischen Forderungen könnte Italiens Schuldenkrise nochmals verschlimmern — und dazu führen, dass das Land den EU-Fiskalpakt nicht mehr einhalten kann.

In der vergangenen Woche haben sich die geopolitischen Störereignisse gehäuft. So kündigte die US-amerikanische Regierung das Atomabkommen mit dem Iran auf. Das führt zu erheblichen Unsicherheiten für europäische Unternehmen. Der nationale Sicherheitsberater im Weissen Haus, John Bolton, hat europäischen Unternehmen, die weiterhin im Iran Geschäfte machen, bereits mit Sanktionen gedroht. Russland und China werden ihre Geschäfte mit dem Iran sicherlich fortsetzen. Europäische Unternehmen, die ihre Investitionen seit dem Abschluss der multilateralen Vereinbarung deutlich ausgeweitet haben, könnten aber vor einer schweren Wahl stehen, falls die USA an ihrer Drohung festhalten.

Der unmittelbarere Sorgenfaktor ist aber natürlich der Ölpreis, der wie erwartet gestiegen ist. Nach Aufkündigung des Atomdeals durch die USA erreichte der Preis für Rohöl der Sorte West Texas Intermediate den höchsten Stand seit drei Jahren.3 Der Ölpreis könnte zwar noch weiter steigen, vermutlich aber nicht unbegrenzt, da ein höherer Preis zu einer Ausweitung der Ölförderung in den USA führen könnte, was den Preis letztlich wieder drücken würde. Da es dazu nicht von einem auf den anderen Tag kommen wird, rechne ich kurzfristig mit einem höheren Ölpreis.

Kernaussagen

Dass die Märkte auf anhaltende Störkräfte reagieren, ist keine Überraschung. Die steigenden Zinsen in den USA haben zum Beispiel Schwellenländeranleihen zuletzt belastet. Schwellenländeraktien stehen bereits seit Jahresanfang fast durchweg unter Druck, was vor allem auf Sorgen über eine mögliche Beschleunigung der geldpolitischen Normalisierung in den USA zurückzuführen ist. Der Renditeabstand zwischen zwei- und zehnjährigen US-amerikanischen Staatsanleihen geht bereits seit einiger Zeit zurück, ist inzwischen aber mit nicht einmal 50 Basispunkten so eng wie zu keinem anderen Zeitpunkt in den letzten zehn Jahren.4 Keines dieser Marktereignisse deutet auf eine unmittelbare Gefahr hin — alle aber zeigen, dass erhebliche Störfaktoren an den Märkten wirken. Die gute Nachricht ist, dass sich in einem derartigen Umfeld Anlagechancen für Investoren eröffnen, die keine Marktturbulenzen scheuen und einen langfristigen Anlagehorizont haben. Besonders gute Anlagemöglichkeiten sehe ich bei Schwellenländeraktien, die attraktive Bewertungen und Wachstumspotenzial bieten. Ganz egal, wo investiert wird, sollten Anleger im aktuellen Umfeld aber vor allem eines tun: selektiv vorgehen.

1 Quelle: UK Office for National Statistics
2 Quelle: Business Insider, «Britain is heading for a disastrous Brexit cliff-edge unless the ‘ridiculously short’ transition is extended», 10. Mai 2018
3 Quelle: Bloomberg L.P., Stand 9. Mai 2018
4 Quelle: Bloomberg L.P., Stand 14. Mai 2018

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