Meinungen

Kein Halten unter der Nulllinie

Am Markt für kotierte Frankenobligationen rentieren Schulden über 154 Mrd. negativ. Und es könnten noch mehr werden. Ein Kommentar von FuW-Ressortleiter Tommaso Manzin.

«Nichts garantiert uns, dass die Renditen nicht noch weiter sinken werden.»

So weit ist es gekommen (lesen Sie hier mehr). In holprigen, kleinen Schritten. Im Nachhinein fügt sich aber aus Episoden von Notfallmassnahmen immer deutlicher eine Epoche stetig sinkender Zinsen.

Beim Ausbruch der Finanzkrise fiel der Leitzins nahezu in allen Währungsräumen wie ein Stein. Die Nullzinspolitik herrschte danach Jahre länger als erwartet. Anfang 2014: «Lange können die Sätze nicht mehr fallen», lautete der Tenor am Markt. Reihum wurde die Wende der Zinsen ausgerufen. Diese fielen weiter, bis die Grenze in Sicht war, jenseits deren Geldmarktfonds implodieren, Sparer auf Barrikaden steigen würden: die Null. Und die Zentralbanken durchbrachen auch sie, diese Grenze, hinter der sich die Gesetze der Finanzwelt hätten auflösen sollen.

Die Lehre daraus: Nichts garantiert uns, dass die Renditen nicht noch weiter sinken werden. Die EZB hat erklärt, in ihrem gegen die Deflation lancierten Programm Bonds bis zu einer Rendite von –0,2% zu kaufen – zu dem Zins, den Banken für bei ihr geparkte Einlagen zahlen. Doch Experten sagen, sie könnte ganz einfach den Einlagensatz weiter senken, um genug Staatsanleihen für ihre Käufe zu finden.

Der Anlagenotstand wird zunehmen, die Risikobereitschaft wird forciert. Vor drei Jahren gab der Markt Italien keine Woche mehr, jetzt rentiert eine italienische Frankenanleihe dreijähriger Restlaufzeit –0,16%. Auch wenn Bankenprogramme in der Berechnung der Hypothekarsätze Mühe hatten mit Negativzinsen: Unter der Nulllinie hat keine neue Mathematik begonnen, wurde die Gravitation nicht ausser Kraft gesetzt. Die Zinsen werden ihr so lange gehorchen, wie es die Notenbanken wollen.