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Kein klarer Sieger bei französischen Parlamentswahlen

Bei der ersten Runde der Parlamentswahlen in Frankreich zeichnet sich noch kein eindeutiger Sieger ab.

(Reuters) Das Mitte-Lager des kürzlich wiedergewählten Präsidenten Emmanuel Macron und das Bündnis um den Linkspolitiker Jean-Luc Melenchon liegen Hochrechnungen vom Sonntagabend zufolge mit jeweils 25% bis 26% in etwa gleichauf. Prognosen des Instituts Elabe deuten bei der Sitzverteilung für die zweite Wahlrunde am 19. Juni allerdings eine Mehrheit für das Lager des Präsidenten an. Unklar bleibt jedoch, ob eine absolute Mehrheit mit mindestens 289 Sitzen erreicht wird. Das Macron-Lager könnte den Vorhersagen zufolge auf 270 bis 310 der 577 Sitze in der Nationalversammlung kommen. Die Differenz zwischen prozentualem Stimmanteil und der Sitzverteilung entsteht durch das komplizierte Wahlsystem in Frankreich. Am Ende werden nur die Stimmen für den Gewinner im jeweiligen Wahlkreis eingerechnet.

Die Wahlbeteiligung war historisch niedrig für eine erste Runde der Parlamentswahlen und lag unter 50%. Das endgültige Ergebnis wird erst am Sonntag in einer Woche nach der zweiten Runde feststehen. Bei der ersten Wahlrunde ziehen diejenigen Kandidaten ins Parlament ein, die auf Anhieb mehr als 50% der Stimmen in ihrem Wahlkreis erhalten haben. Wo das nicht der Fall ist, müssen sich alle Kandidaten, die mehr als 12,5% der Stimmen bekommen haben, eine Woche später einem zweiten Wahlgang stellen.

Sollte Macrons Bündnis Ensemble (Zusammen) die Mehrheit verfehlen, wäre dies ein schwerer Rückschlag für den Präsidenten. Er müsste eine grössere Allianz (ALV 178.78 -1.27%) bilden, die seinen Handlungsspielraum einschränken würde. Ein Minderheitskabinett oder eine Koalitionsregierung gelten als unwahrscheinlich.

Macron war zuletzt kaum in der Öffentlichkeit aufgetreten, hatte sich vor allem auf die Bildung einer neuen Regierung konzentriert. Melenchons Linksbündis Nupes profitiert derweil von der Verunsicherung vieler Bürger wegen der hohen Lebenshaltungskosten. Macron will unter anderem eine Rentenreform beschliessen, um die Staatsfinanzen wieder in Ordnung zu bringen. Dagegen wollen linksgerichtete Parteien das Renteneintrittsalter senken und setzen sich für zusätzliche Ausgaben ein.