Meinungen

Kein Luxus

Uhrenaktien sind günstig. Dennoch ist jetzt nicht der Zeitpunkt zum Einstieg. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

« Für die nächsten ein bis zwei Monate sehe ich mehr Luft nach unten als nach oben.»

Ich mag die Aktien von Swatch Group (UHR 186.45 -3.87%) und Richemont (CFR 52.9 -4.03%). Langfristig gesehen gehören die Titel der Schweizer Uhrenhersteller in jedes gut diversifizierte Portfolio. Dass sie seit Mitte 2018 die Hälfte ihres Werts verloren haben, hatte mich bis Anfang Jahr überhaupt nicht beunruhigt. Im Gegenteil: Uhrenaktien zu Ausverkaufspreisen kriegt man nicht alle Tage. Im Prinzip eine klare Kaufgelegenheit.

Umso mehr gerate ich in Versuchung, nochmals zuzugreifen, da Swatch Group und Richemont im Schlepptau der Effekte des Coronavirus seit Mitte Januar nochmals 15% eingebüsst haben. Mein Redaktionskollege Pascal Meisser hatte Ende Januar nach den Jahreszahlen seine sonst eher vorsichtige Haltung geändert und Swatch Group wegen der langfristig gesehen günstigen Bewertung in der «Finanz und Wirtschaft» zum Kauf empfohlen.

Gilt das noch? Ist jetzt wirklich genau der richtige Zeitpunkt, um Uhrenaktien zu kaufen? Verpasst der Anleger etwas, wenn er noch zuwartet und die Auswirkungen des Virus nicht nur in China, sondern auch im Rest der Welt erst einmal abwarten will? Die kurze Antwort: Der Abschlag zu Anfang Jahr ist nicht gross genug, um genau jetzt in Luxustitel zu investieren.

Mich würde es nicht überraschen, wenn Swatch Group unter 200 Fr. und Richemont unter 60 Fr. fallen, also nochmals 15% verlieren sollten. Zu unsicher ist die Lage, als dass man einfach das Argument «Die Investitionen sind nur aufgeschoben, der Konsument wird die Uhr etwas später kaufen» ins Feld führen könnte. Wie gesagt, ich mag Uhrenaktien, und die Valoren sind günstig. Doch für die nächsten ein bis zwei Monate sehe ich mehr Luft nach unten als nach oben.

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