Märkte / Makro

Kein Zinsschock für die Staaten

Italien und andere hoch verschuldete Länder könnten eine Rückkehr auf vergangene Zinsniveaus finanziell nicht verkraften. Zum Glück haben die Tresorerien vorgesorgt.

Die Notenbanken treten auf die Bremse. Das Federal Reserve wird dieses Jahr die US-Leitzinsen mindestens drei Mal erhöhen und bald darauf die Anleihenkäufe einstellen. Die Europäische Zentralbank fasst zwar noch keine Leitzinserhöhungen ins Auge, wird aber ebenfalls weniger Obligationen aufkaufen als bisher. Die Bank of England ist beiden einen Schritt voraus: Sie hat im Dezember den Leitzins angehoben, und die Folgen spürt der britische Staat bereits.

Als das nationale Debt Management Office (DMO) vergangene Woche wie jedes Jahr um diese Zeit eine neue siebenjährige Gilt-Regierungsanleihe ausgab, musste es einen höheren Zins offerieren, damit die Investoren zugriffen. Das Papier trägt einen Coupon von 0,5%. Bei Emission fiel der Preis 4% tiefer aus als im Vorjahr, die Marktverzinsung (Rendite) stieg daraufhin auf 1,1%. Zwölf Monate zuvor hatten die Anleger schon bei einer Rendite von 0,18% zugeschlagen und hatte das DMO den Gilt mit einem mageren Coupon von 0,125% versehen. Allein der Zinsaufwand des Staates für die rund 3 Mrd. £ hat sich damit auf gut 200 Mio. £ vervierfacht.

Effekt wird verzögert

Steigende Zinskosten sind die Kehrseite der Antiinflationspolitik der Notenbanken. Betroffen sind alle, aber am stärksten gefährdet sind die Staaten, die am höchsten verschuldet sind. Italien steht hier an vorderster Front. Die Staatsschulden belaufen sich auf 2,2 Bio. €. Allein seit Beginn der Covid-Pandemie haben sie um 22 Mrd. € zugenommen. Weniger Stützungskäufe durch die Europäische Zentralbank via Banca d’Italia lassen die Zinsen steigen. Das wird die Finanzkraft der italienischen Regierung schwächen, was an den Märkten wiederum zu höheren Risikoaufschlägen führen dürfte: eine Ausweitung des gefürchteten Spread.

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