Meinungen

Keine Angst

Die Frankenstärke macht den Schweizer Unternehmen weniger zu schaffen als auch schon. Beweglichkeit zahlt sich aus. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Die Schweizer Industrie hat ­gelernt, mit Widrigkeiten zu leben.­ Stillstand kann man sich nicht leisten.»

Keine Frage: Die Stimmung in der Schweizer Industrie war schon mal besser.  Ein Blick auf das KMU-Barometer der UBS (UBSG 11.455 2.41%) zeigt, dass die Sorgenfalten vor allem bei grösseren Unternehmen tiefer werden. Besonders der rückläufige Bestellungseingang lässt aufhorchen. Neben der schwierigen Lage der Weltwirtschaft wird immer wieder der starke Franken ins Feld geführt. Doch hat er tatsächlich einen so grossen Einfluss?

Die meisten kotierten Unternehmen haben sich auf eine starke Heimwährung eingestellt und kommen damit gut zurecht. Spätestens seit dem Frankenschock 2015 sind sie Tag für Tag dran, ihre Verwundbarkeit, wenn es um Währungsschwankungen geht, zu verringern. UBS kommt in einer Studie von fünfzig kleineren und mittelgrossen Schweizer Gesellschaften zum Schluss, dass im Durchschnitt nur noch 4% des Geschäfts der vollen Kursbewegung des Frankens ausgesetzt sind. Das ist so gut wie vernachlässigbar.

Besonders gut gewappnet sind Unternehmen, die ihre Produktionsstätten jeweils in dem Währungsraum angesiedelt haben, in dem sie ihre Waren auch verkaufen. Oerlikon, Sulzer (SUN 99.75 2.15%), Clariant (CLN 21.45 0.89%) und Schindler (SCHP 227.3 0.58%) gehören in diese Kategorie. Sie konnten gelassen zusehen, als der Euro in den letzten anderthalb Jahren gegenüber dem Franken von 1.20 auf mittlerweile unter 1.10 fiel.

Die Schweizer Industrie hat gelernt, mit Widrigkeiten zu leben. Stillstand kann man sich nicht leisten, und das ist auch gut so. Nur wer beweglich ist, überlebt. Diese Unternehmen bekommen zwar die wackelige Lage der Weltwirtschaft zu spüren, erste Bremsspuren sind sichtbar – doch was den Franken anbelangt, ist Entwarnung angesagt.

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