Meinungen

Keine Angst

Das Angstbarometer Vix zeigt, dass die Sorgen der Anleger fast verflogen sind. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Das Angstbarometer ist im Moment allerhöchstens ein Sorgenbarometer.»

Die Anleger haben keine Angst mehr vor einem Crash. Zu diesem Schluss kommt,wer einen Blick auf den US-Volatilitätsindex Vix wirft. Der Angstbarometer genannte Gradmesser ist Anfang Woche zum ersten Mal seit rund 250 Tagen unter 20 gefallen. Auch der VSMI, das Schweizer Pendant zum Vix, notiert unter 20. Ein Wert von 20 bedeutet zwar noch immer Nervosität, doch die Zeiten wie zu Beginn der Pandemie, als das Angstbarometer auf 80 stand, sind vorbei.

Nur ein Mal, und zwar zwischen August 2008 und Dezember 2009 während der Finanzkrise, notierte der Index länger über 20. Zuletzt hatte ich an dieser Stelle Mitte November und davor im Oktober auf das Angstbarometer geblickt. Damals notierte es auf 25. «Die Ampeln für den Aktienmarkt stehen auf Grün», war die Schlussfolgerung. Das hat sich bewahrheitet. Der S&P-500-Index ist in dieser Zeitspanne über 10% avanciert.

Auch jetzt stehen die Ampeln am Aktienmarkt auf Grün. Die rückläufige Volatilität ist ein wichtiges Puzzleteil, das für höhere Aktienkurse spricht. Daran ändern auch die spekulativen Auswüchse rund um Bitcoin (Bitcoin 61'475.00 +0.02%) und GameStop (GME 183.28 -0.3%) sowie die hohen Bewertungen wenig. Wir stehen am Anfang eines Konjunkturzyklus, und der Zinsanstieg wird sich dank den Notenbanken in engen Grenzen halten. Das unterstreicht das Fehlen von Alternativen zu Aktien.

Der Vix notiert mittlerweile zwar wieder leicht über 20, doch das sollte die Anleger nicht beunruhigen. Die Volatilität dürfte in den nächsten Wochen um den Wert von 20 schwanken, und das ist gute Kunde. Das Angstbarometer ist im Moment allerhöchstens ein Sorgenbarometer.