Meinungen

Keine Angst vor dem Währungskrieg

Ein globaler Abwertungswettlauf zur Sicherung des Exports bleibt aus. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Die Lockerung der Geldpolitik ist kein Instrument der Handelspolitik.»

Die Abwertung des chinesischen Yuans gegenüber dem Dollar auf den niedrigsten Stand seit 2011 hat die Anleger anfänglich in Panik versetzt. Die Angst: China instrumentalisiert die eigene Währung im Handelskrieg und provoziert so eine Eskalation von Zöllen und Deviseninterventionen anderer Länder.

Auch im Weissen Haus wurden schon Pläne zur Schwächung der eigenen Währung diskutiert. US-Präsident Donald Trump hat den Dollar als zu stark tituliert und Interventionen nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig sind weltweit die Notenbanken auf einem Lockerungspfad: Die Zinsen werden gesenkt – geschieht dies überraschend und aggressiv genug, dann sinkt auch der Aussenwert der heimischen Valuta.

Es steht ausser Frage, dass Exportländer eine Aufwertung ihrer Währung verhindern wollen – die Schweiz ist ein Exempel dafür. Doch vor einem Wettlauf, die eigene Währung möglichst zu schwächen, ist nichts zu spüren. Die chinesische Zentralbank stemmt sich im Moment gegen eine unkontrollierte Abwertung des Yuans – wären keine Kapitalkontrollen in Kraft, würde die Währung wohl deutlich schwächer notieren.

Geldpolitik folgt Konjunktur 

Auch wenn Notenbanken ihre Geldpolitik nun lockern (zuletzt überraschten Zinssenkungen in Thailand und in Neuseeland), ist das nicht als Instrument der Handelspolitik zu verstehen. Die Stabilisierung der inländischen Konjunktur reicht als Grund völlig aus. Dass dies nun synchron global geschieht, liegt am weltweit düster gewordenen Konjunkturausblick. Das ist positiv: Die Notenbanken zielen auf  die Förderung der gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Wenn man das als Währungskrieg bezeichnen will, dann ist das für die Weltwirtschaft sogar belebend.

Ausserdem würde bei einem Abwertungswettlauf China, der Gegner der amerikanischen Handelspolitik, nicht mitmachen. Die weitere Schwächung des Yuans würde nämlich zwar chinesische Güter im Ausland verbilligen, doch gleichzeitig entstünden verheerende Folgen aus inländischer Perspektive. Das gilt auch für andere Schwellenländer. Chinesische Unternehmen mit hohen Dollarschulden könnten in Zahlungsschwierigkeiten geraten, der Import von Rohstoffen würde teurer.

Die Aussicht auf eine anhaltende Abwertung birgt die Gefahr einer Kapitalflucht: Es wäre das Signal für viele Bürger, ihr Geld schnellstmöglich ins Ausland zu bringen. Darauf müsste Peking mit noch schärferen Kapitalkontrollen reagieren. Das wäre verheerend für das schon angeschlagene Vertrauen in den Zustand der Wirtschaft und den von der Regierung propagierten Öffnungskurs für die heimischen Kapitalmärkte.

Kein neuer Plaza-Akkord

Wollte die US-Regierung den Dollar effektiv und nachhaltig schwächen, dann bräuchte sie dafür Partner. Als Beispiel wird der Plaza-Akkord von 1985 herangezogen, in dem die grössten Industrieländer, inklusive Japan, sich geeinigt hatten, den Yen aufwerten zu lassen. Heute fehlt ein derartiger internationaler Konsens.

Nach 1985 verzögerte sich der Effekt der schwächeren Währung auf die Exporte: Das amerikanische Handelsdefizit vergrösserte sich danach erst einmal für weitere zwei Jahre. Der Internationale Währungsfonds kommt denn auch zum Fazit: «Wechselkurse haben kurzfristig einen begrenzten Effekt auf die Handelsbilanz.» Trump kann sich von einer Dollarschwächung keine höheren Chancen auf die Wiederwahl versprechen.

Der starke Dollar ist auch eine Folge der amerikanischen Handelspolitik, die durch die Zölle andere Exportnationen wie China unter wirtschaftlichen Druck setzt. Will Präsident Trump die eigene Währung schwächen und der Weltwirtschaft etwas Gutes tun, sollte er den Handelskrieg schnell deeskalieren und die internationale Kooperation suchen. Der Devisenmarkt ist nicht das richtige Instrument.

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