Meinungen

Keine Banken

Die jüngsten Kurskapriolen von Grossbankaktien zeigen einmal mehr, wie fragil der Sektor ist. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Ein Blick auf den Kursverlauf seit der Finanzkrise treibt einem Tränen in die Augen.»

Immer genau dann, wenn man denkt, die Aktien unserer Grossbanken seien endgültig auf Erholungskurs, wird man eines Besseren belehrt. Entweder treten die Institute tollpatschig in ein Fettnäpfchen, oder ihre Titel werden von einem Sturm an den Finanzmärkten erfasst. Wie stark so ein Sturm Credit Suisse (CSGN 9.79 +1.92%) und UBS (UBSG 15.88 +0.6%) immer wieder mitnimmt, wurde uns am Montag bewusst, als CS an einem Tag 7% und UBS 6% einbüssten. Die Sorgen um die Auswirkungen rund um Evergrande und den chinesischen Immobilienmarkt hinterlassen tiefe Spuren.

Ein Blick auf den Kursverlauf seit der Finanzkrise treibt einem Tränen in die Augen. Egal, über welchen Zeithorizont; mit Grossbankaktien haben Sie so gut wie sicher Geld verloren, viel Geld. Ja, sie erholen sich zwischendurch immer wieder mal, und je nach Bewertungsgrösse sehen sie durchaus günstig aus, doch warum soll ich das Risiko eingehen?

Erinnern Sie sich an die letzten Good News von unseren Grossbanken? Ich auch nicht. Die Fehltritte sind mir aber in bester Erinnerung. Eine unvollständige Liste gefällig? Libor-Manipulation, Verkauf von schrottigen hypothekarbesicherten Wertpapieren, Beihilfe zu Steuerhinterziehung und Geldwäsche, Archegos, Greensill, Wechselkursmanipulation, illegal hohe Gebühren, Missachtung von Kotierungs-, Handels-, Offenlegungs- und Gleichbehandlungsvorschriften.

Natürlich weiss auch ich nicht, wie sich die Grossbankaktien entwickeln werden. Durchaus möglich, dass sie in den nächsten Monaten einen guten Run hinlegen. Doch darauf wetten würde ich nicht. Das berühmte Upside ist mir da einfach zu klein und die Gefahr zu gross.

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