Meinungen

Keine Chance für höhere Zinsen

Wer dieses Jahr mit einer Zinserhöhung in der Schweiz rechnet, könnte enttäuscht werden. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Entwarnung bedeutet die verlängerte Negativzinsphase für alle Eigenheimbesitzer»

So viel ist sicher. Irgendwann werden die Zinsen wieder steigen, auch in der Schweiz. Doch wer damit rechnet, dass hierzulande noch heuer, nach über zehn Jahren, der erste Zinsschritt nach oben kommt und 2020 dann endlich der Abschied von den Negativzinsen gefeiert wird, sollte seine Prognose überdenken. Japan beispielsweise hat vor genau zwanzig Jahren seinen Leitzins auf null reduziert. An höhere Zinsen denkt dort deshalb jedoch noch immer niemand.

Die Ökonomen der Schweizer Banken rechnen in der Mehrheit zwar damit, dass unsere Notenbanker noch 2019 den Leitzins anheben, doch in Stein gemeisselt ist das keineswegs. Die Konjunktur in Europa kühlt sich zusehends ab. Der Europäischen Zentralbank sind so die Hände gebunden. Auch wenn SNB-Präsident Thomas Jordan immer wieder betont, unabhängig von der Geldpolitik anderer Zentralbanken zu agieren, ist es kaum denkbar, dass die SNB (SNBN 5870 3.89%) im Alleingang an der Zinsschraube dreht.

Die Zinsen werden auch dieses Jahr deutlich unter null bleiben. Das birgt durchaus Risiken. Renditeliegenschaften beispielsweise bleiben beliebt, was die Blasengefahr am Immobilienmarkt erhöht. Davor warnt die SNB seit einiger Zeit. Auch unsere Pensionskassen tun sich immer schwerer, einen angemessenen Return zu erwirtschaften. Doch unter dem Strich sind die Risiken unüberlegter Zinserhöhungen grösser.

Entwarnung bedeutet die verlängerte Negativzinsphase für alle Eigenheimbesitzer, die Angst haben, den richtigen Moment zu verpassen, um ihre Hypothek nochmals möglichst lange auf niedrigem Niveau anzubinden. Dazu bleibt noch viel  Zeit. Auch die Hypothekarsätze werden nicht über Nacht steigen.

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