Meinungen

Keine Goldrally in Sicht

Der Goldpreis hängt an den Zinsen. Wenn sie sich nicht bewegen, wird es am Goldmarkt langweilig. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Gold ist jetzt nicht zur Spekulation geeignet, aber gut für die Diversifikation.»

Gold (Gold 1'787.74 -1.46%) ist kein zuverlässiger sicherer Hafen. Die Veränderung des Goldpreises hängt nur sekundär an der Nervosität der Anleger. So hat die politische Unsicherheit um die US-Wahlen dem Edelmetall in der ersten Novemberwoche ein Plus von gerade einmal knapp 4% beschert. Die Euphorie um den Coronaimpfstoff diese Woche hat diesen Profit ziemlich genau zunichtegemacht.

Nicht einmal die Marke von 1900 $ je Unze hat Gold gehalten. Das Allzeithoch vom vergangenen August von 2075 $ ist jetzt wieder in weite Ferne gerückt. Um eine neue Aufwärtsbewegung auszulösen, bräuchte es niedrigere Obligationenrenditen. Denn der Goldpreis bewegt sich eng zusammen mit den Marktzinsen. Je geringer die Zinsen, desto attraktiver ist ein Engagement in das Edelmetall.

Eine neuerliche Goldrally ist nicht in Sicht, denn niedrigere Marktzinsen sind nicht zu erwarten. Auch ein Goldpreisschub durch steigende Inflation – mit dem daraus folgenden Absacken der Realzinsen – ist auf kurze Sicht wenig wahrscheinlich. Andersherum werden die Marktzinsen wohl auch nicht stark steigen. Das sollte den Goldpreis vor massiven Rückschlägen schützen.

Goldanlegern droht Langeweile: Grosse Preisbewegungen, ob nach unten oder oben, könnten auf sich warten lassen. Das seit September bestehende Handelsband zwischen 1850 und 1950 $ würde dann noch einige Monate anhalten. Das Edelmetall ist jetzt als heisse Spekulationsanlage ungeeignet. Aber es bleibt ein gutes Instrument zur Diversifikation des Portfolios. Denn falls etwas Unvorhergesehenes geschieht, ist Gold schnell zurück im Spiel.

Leser-Kommentare