Meinungen

Keine heile Welt

Der Franken hat sich zwar abgeschwächt. Doch für eine Entwarnung ist es noch zu früh. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Es gibt aber absolut keine Garantie dafür, dass der Euro wieder über 1.20 Fr. steigt»

Am 15. Januar ist es drei Jahre her, dass die Schweizerische Nationalbank entschieden hat, die Kursuntergrenze von 1.20 Fr. zum Euro nicht mehr zu verteidigen. Die Folge waren ein erstarkter Franken und Unternehmen, die mit dem Rücken zur Wand standen. Mittlerweile sieht es allerdings so aus, als sei alles wieder gut. Am Freitag kostete der Euro 1.18 Fr., so viel wie seit dem Schock vor drei Jahren nicht mehr. Der Swiss Market Index (SMI (SMI 8907.39 0.42%)) notiert auf einem Höchst, die Arbeitslosenrate ist tief, die Wirtschaft wächst, und die Kapazitätsauslastung in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie liegt über dem langjährigen Mittel.

Zum Glück steigt dank der Erholung der Weltkonjunktur die Nachfrage nach Schweizer Produkten und Dienstleistungen. Die Unternehmen haben die letzten Jahre genutzt, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Im Exportsektor werden neue Stellen geschaffen. Das sind alles gute Nachrichten.

Von einer heilen Welt zu sprechen, wäre aber blauäugig. Zwar ist die Schweizerische Nationalbank durchaus zuversichtlich. Sie hat in ihrer jüngsten geldpolitischen Lagebeurteilung, in der sie jedes Wort auf die Goldwaage legt, in Aussicht gestellt, die Erholung der Schweizer Wirtschaft setze sich fort. Ganz zufrieden ist die Währungshüterin allerdings nicht. Sie hält den Franken auch auf diesem Niveau noch immer für hoch bewertet.

Es gibt aber absolut keine Garantie dafür, dass der Euro wieder über 1.20 Fr. steigt, der Franken Schritt für Schritt schwächer wird und den Unternehmen so den Weg in eine rosige Zukunft ebnet. Der Franken kann auch wieder stärker werden. Was dann passiert, sagt uns ebenfalls die Nationalbank: «Eine erneute Aufwertung würde die Preis- und Konjunkturpolitik nach wie vor gefährden.» Für eine Entwarnung ist es zu früh.

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