Märkte / Rohstoffe

Keine Risikoprämie mehr für Krisenherde

Rohstoffe: Russlandkrise und Venezuela stützen Erdölpreis derzeit nicht – Brent bei 107 $

Giovanni Staunovo

Der Preis für Rohöl der Sorte Brent hat sich in den letzten Tagen knapp über 105 $/Fass gehalten, nach 112 $/Fass Ende Februar. Die geopolitischen Spannungen zwischen Russland und dem Westen und die sozialen Unruhen in Venezuela weckten keine genügend grossen Versorgungsängste, um die Rohölpreise zu stützen. Die Marktteilnehmer richteten ihr Augenmerk vielmehr auf die anhaltende Ölförderung in diesen Krisenherden, das Sechsmonatshoch der Opec-Ölproduktion sowie die gefährdete Ölnachfrage aus China.

Obschon sich die Rohölhändler derzeit keine Sorgen über Versorgungsausfälle zu machen scheinen, sollten Investoren nicht unterschätzen, wie schnell sich eine Risikoprämie von 10 bis 15 $/Fass bilden kann. Angesichts der in Russland und Venezuela geförderten Ölmenge könnte bereits ein geringfügiger Produktionsrückgang den Rohölmarkt beunruhigen, da die globalen Kapazitätsreserven mit 2,5 bis 3 Mio. Fass/Tag oder rund 3% der Weltproduktion sehr begrenzt sind. Doch allfällige Versorgungsunterbrechungen sind nur eine Einflussgrösse der gesamten Versorgungslage. Die Erdölförderung in den USA, dem Irak und Iran wird im Laufe des Jahres voraussichtlich steigen und den Nachfragezuwachs in vollem Umfang decken, sofern keine weiteren Produktionsausfälle auftreten. Mit einem gut versorgten Rohölmarkt dürfte sich der Brent-Preis in den nächsten zwölf Monaten bei 100 $/Fass stabilisieren.

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