Meinungen

Keine Zauberformel

Quartalsergebnisse sind nicht ganz so einfach zu deuten, wie oft angenommen wird. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Zahlreiche Aktien sind kein Schnäppchen mehr.»

Im Prinzip ist die Sache mit den Quartalsergebnissen ja ganz einfach. Verbessert ein Unternehmen den Gewinn und liegt das Ergebnis gleichzeitig über den Erwartungen der Analysten, steigt der Aktienkurs. Verfehlt es die Prognosen, ist das ein Warnsignal, und die Kurse purzeln.

Doch halt. Ganz so simpel ist es leider nicht. Auch wenn die Kurse nach einer Enttäuschung fallen, ändert das oft Nichts an den langfristigen Aussichten. Sofern das Geschäftsmodell und die Strategie stimmen, gleichen sich Kurssprünge über die Zeit meist aus. Ebenso gilt das für Gewinnüberraschungen und nachfolgende Avancen.

Für das abgelaufene erste Quartal rechnen Analysten in Europa mit einem Gewinnrückgang. Darauf wurde der Markt Schritt für Schritt vorbereitet. Was das bedeutet? Das ist nicht unbedingt ein Beinbruch. Auch für das vierte Quartal waren die Vorhersagen äusserst zurückhaltend und die Ergebnisse dann tatsächlich nicht berauschend. Die Anleger liessen sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil. Die Performance von Aktien im Startquartal 2019 gehört zu den besten der letzten Jahrzehnte.

Der grosse Unterschied vom vierten zum ersten Quartal liegt im Bewertungsniveau. Während viele Aktien vor drei Monaten noch günstig waren, sind zahlreiche mittlerweile kein Schnäppchen mehr. Das macht sie für eine Korrektur anfällig. Die langfristige Strategie sollten Anleger deshalb zwar nicht ändern. Wer jedoch ohnehin daran denkt, die Gewinne der letzten Monate zu realisieren, der sollte das wenn möglich noch vor der Veröffentlichung des jeweiligen Quartalsabschlusses tun.

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