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Kleine Fragezeichen zum Fahrplan der Tresorerie – Vielfältige Wandelanleihen

Peter Kuster

Wie viel Geld braucht die Eidgenossenschaft heuer noch
Antwort darauf gibt am Mittwoch das Zuteilungsergebnis. Denn die am Dienstag aufgelegte neue Anleihe 13/4% Eidgenossenschaft 2004/2009 ist die letzte im Rahmen der ordentlichen Mittelbeschaffung, die zu diesem Jahr gezählt wird. Dabei stellt der Bund – anders als die League table (Rangliste der Federführer nach Emssionsvolumen) – auf die Liberierung und nicht die Lancierung ab.
Allerdings ist die Tresorerie nicht sklavisch an ihren Fahrplan gebunden, der Auktionen im Monatsrhythmus (ohne Dezember) vorsieht. Das hat sie beispielsweise letztes Jahr bewiesen, als sie im Dezember mit einer noch 2003 zu liberierenden Swisscom-Umtauschanleihe überraschte. Auch ohne Sonderaktionen lässt sich nicht exakt ausrechnen, ob die Tresorerie ihr Anfang vergangenen Dezember bekannt gegebenes Mittelbeschaffungsprogramm 2004 genau eingehalten hat. Damals war von neuen Anleihen über rund 12 Mrd. Fr. brutto und 7 Mrd. netto (abzüglich Rückzahlungen) die Rede (vgl. FuW Nr. 97 vom 6. Dezember 2003).
Immerhin ist bekannt, dass der Bund dieses Jahr bislang brutto 15230 Mio.Fr. Obligationen begeben hat – die dieses Jahr liberierte Emission vom November 2003 und der zweite Swisscom-Exchangeable vom Juni über 1,2 Mrd.Fr., der bereits Ende Februar 2005 verfällt und daher wohl zur kurzfristigen Mittelaufnahme (Geldmarkt) zu zählen ist, inklusive. Zu beachten ist, dass dabei die Eigentranchen inbegriffen sind. Das sind Bundesobligationen, die die Tresorerie in Emissionen für sich selbst reserviert und später auf den Markt bringen kann. Gemäss einer Aufstellung, die die Nationalbank monatlich aktualisiert, verfügte die Tresorerie Mitte Oktober über Reserven von 3370 Mio.Fr.; sie stammen aber nicht alle von diesem Jahr, sondern können älteren Ursprungs sein.
Genug der Rechenkünste: Felix Senn jedenfalls, Tresoreriechef, bezeichnet auf Anfrage die Lage in Bezug auf die Kapitalaufnahme als «komfortabel». Man habe sich für eine neue Anleihe entschieden, weil erstens der Aufstockungskandidat 31/4% Eidgenossenschaft 1998/2009 nicht über einen marktgerechten Coupon verfüge. Zweitens habe zwischen dieser Anleihe und dem 2010er noch eine Fälligkeit Platz gehabt.
Die Tatsache, dass die mit Triple-A ausgezeichneten Bundesanleihen vis-à-vis Swap rundherum als unterbewertet eingestuft werden, dürfte Senn in seinem Entschluss gestärkt haben. Als Hauptursache dafür, dass die Eidgenossen zu günstig sind, wird von Händlern das konstant grosse Angebot aus Bundesbern genannt. Ob die Tresorerie nun einen Wechsel hin zu einer restriktiveren Emissionspolitik vollzogen hat, von der die Bundespapiere profitieren könnten, wird sich weisen. Der Spielraum ist bescheiden, weil der zu finanzierende Kapitalbedarf massgeblich vom Gebaren der Politiker abhängt.
Wer sich als institutioneller Anleger vom Bund eine längere Laufzeit erhofft hatte, musste nicht verzweifeln. Zürcher Kantonalbank, CSFB und UBS Investment Bank – im Normalfall verbissene Rivalen – spannten zusammen und wurden innert Stunden fündig. Als bonitäts- und liquiditätsmässig ziemlich adäquaten Ersatz präsentierte das speziell im Inlandsegment plazierungsmächtige Trio den Langläufer 23/4% Kanton Zürich 2004/2017 über 500 Mio.Fr. Der Kanton, letztmals Ende März am Primärmarkt zugegen, habe schnell zugesagt, erklärte einer der Federführer. Ob sich die Emission nachteilig auf die geplante Aufstockung der Pfandbriefzentrale vom Mittwoch auswirken wird

Ebenfalls über ein Triple-A verfügt der ausländische Schuldner, der am Montag zulangte. 21/8% Hypo Tirol Bank 2004/2011 über 200 Mio.Fr. geniesst eine Ausfallbürgschaft des Bundeslandes. Wie die meisten Österreicher verzichten die Tiroler darauf, den Emissionserlös in Euro zu tauschen. Das heisst, dass sie entweder Franken suchen oder bewusst eine Währungswette abschliessen, also darauf setzen, dass der Zinsvorteil eine Aufwertung des Frankens mindestens kompensiert.
Unter der Federführung von Swissfirst um 20 Mio.Fr. erhöht wurde am Montag der vergangenen Woche lancierte Zwangswandler 61/4% Züblin Immobilien Jersey 2004/2009. Den Aktionären wird für die Erhöhungstranche ein zusätzliches Vorzeichnungsrecht eingeräumt (1488 Aktien pro Wandelobligation). Als Grund für die grosse Nachfrage führt die Immobiliengesellschaft (vgl. Seite 13) den hohen Coupon an. Einen Kapitalschutz wie ein normaler Wandler bietet der Zwangswandler jedoch nicht. Der Wandelpreis beträgt 9.58Fr., wobei dieser reduziert wird, wenn Dividenden- oder Nennwertrückzahlungen an die Aktionäre in einem Geschäftsjahr 60 Rp. pro Aktie überschreiten.
Ebenfalls keinen Standardwandler arrangierte Bank Julius Bär. Börsenkandidat Esmertec beschaffte sich über eine privat plazierte vierjährige Emission 23,5 Mio.Fr. (vgl. Seite 16). Der Wandler nimmt zwar Bezug auf einen Börsengang, ist aber als eigenständiges Finanzierungsprodukt konzipiert (ähnlich wie der Emmi-Wandler von 2001). Die Bärenbank lancierte schon 1988 für die Von-Moos- Gruppe eine Going-public-Optionsanleihe (vgl. FuW Nr. 67 vom 29. August 2001). Etwas neueren Datums ist die Vorliebe der Bank für Indien: Heuer hat sie drei Wandler für indische Unternehmen lanciert, einen davon in Franken (vgl. FuW Nr. 65 vom 18. August). Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?