Unternehmen

Klimapolitik der EU schafft unerwartete Profiteure

Von «Fit for 55» dürften einige Schweizer Unternehmen mit hohem CO2-Ausstoss profitieren.

Klimapolitik sorgt für gewöhnlich bei Unternehmen mit energieintensivem Geschäft für hohe Zusatzkosten. Beim «Fit for 55»-Gesetzespaket, das die Europäische Union am Mittwoch vorstellte, ist die Lage nuancierter. Das Paket zeichnet vor, wie die Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber dem Vergleichsjahr 1990 um 55% sinken sollen. Im Zentrum der Massnahmen steht der Handel mit Emissionszertifikaten, um den CO2-Ausstoss zu verteuern.

Branchen mit hohem Ausstoss wie Stahl, Aluminium, Düngemittel, Zement und Energie werden besonders getroffen, wenn die Massnahmen dereinst umgesetzt werden. Um sie vor Wettbewerbsnachteilen gegenüber Gesellschaften mit weniger CO2-intensiven Aktivitäten in der EU zu schützen, will die EU einen Grenzausgleichsmechanismus einführen und Importe aus Drittstaaten mit CO2-Zöllen belegen. Die Schweiz nimmt Teil am Emissionshandel der EU, weshalb die EU-Kommission derzeit vorsieht, bei hiesigen Unternehmen von Zöllen abzusehen.

Swiss Steel und Holcim

Diese Ausgangslage schafft bei Schweizer Unternehmen nebst den üblichen Verdächtigen in den Bereichen Gebäudetechnik und erneuerbare Energien auch in energieintensiven Branchen potenzielle Profiteure der EU-Klimapolitik. Zu ihnen gehört Swiss Steel. Das Unternehmen produziert den Stahl ausschliesslich aus Stahlschrott im Elektrolichtbogenofen und nicht aus Eisenerz über den Weg der Hochöfen. Es betreibt somit Recycling und emittiert weniger CO2 als die Konkurrenz. Abnehmerindustrien könnten ihre eigene CO2-Bilanz verbessern, wenn sie auf rezyklierten Stahl setzen. Die Nachfrage dürfte in der EU steigen, wo Swiss Steel schon heute rund 80% des Umsatzes erzielt. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?