Meinungen

Klumpenrisiko

Das Beispiel Cembra Money Bank zeigt, warum Anleger nicht alle Eier in einen Korb legen sollten. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Innerhalb des Aktienportfolios gilt als Faustregel, dass zwanzig bis dreissig Titel eine gute Zahl sind.»

Cembra (CMBN 61.20 -2.08%) Money Bank verliert unerwartet den Grosskunden Migros. Die Aktien stürzen 30% ab. Das schmerzt. «Finanz und Wirtschaft» hatte sie zuvor zum Kauf empfohlen und rät, jetzt nicht zu verkaufen und dem Unternehmen die Chance zu geben, zu beweisen, dass das Geschäft auch ohne Migros funktioniert.

Das Beispiel Cembra sollte allen Privatanlegern in Erinnerung rufen, dass ein Portfolio nur dann stabil ist, wenn es genügend diversifiziert ist. Unternehmen, die wie Cembra ein Klumpenrisiko tragen, sind nicht automatisch keine gute Anlage. Doch nur mit der richtigen Streuung kann der Investor verhindern, dass eine solche Hiobsbotschaft die Performance des gesamten Portfolios verhagelt.

Um die Wertschwankung gering zu halten, sollten Anleger in verschiedene Anlageklassen investieren, die nicht direkt miteinander korrelieren. Unterschiedliche Branchen und auch die regionale Diversifikation spielen eine wichtige Rolle. Was gilt innerhalb des gesamten Portfolios? Eine einfache Regel, die ich durchaus für anwendbar halte, besagt, dass der Aktienanteil nicht höher sein sollte als hundert minus das Alter des Investors. Wer also sechzig Jahre alt ist, sollte nicht mehr als 40% Aktien halten. Überschreitet er die Schwelle, muss er sich des Risikos grosser Wertschwankungen bewusst sein.

Innerhalb des Aktienportfolios gilt als Faustregel, dass zwanzig bis dreissig Titel eine gute Zahl sind. Berücksichtigen Sie dabei verschiedene Branchen und Unternehmensgrössen. Eine Anlagechance kann noch so verlockend sein – mehr als 5% des Portfolios sollten Sie nicht in eine Aktie investieren. So fällt es deutlich leichter, auch mal einen Rückschlag, wie jetzt bei Cembra, auszusitzen.

Leser-Kommentare

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uphoffjana 26.08.2021 - 15:40
Da muss ich dem Kommentator klar und entschieden widersprechen. Ein Aktionär darf einem Unternehmen keine zweite Chance geben wenn ein so krasser Fall von einem Klumpenrisiko besteht. Denn andere Unternehmen werden definitiv die Geschäftsbeziehung mit Cembra Money Bank auf die Probe stellen und dann kann es nochmals zu weiteren Kündigungen kommen. Offenbar ist Cembra Money Bank ein billiger Zwischenhändler wo… Weiterlesen »
Christoph Saetteli 26.08.2021 - 21:15
Nun Warren Buffet und Charlie Munger empfehlen nicht mehr als drei Titel. Zu beachten ist auch dass Unternehmen unterschiedliche Risikoprofile aufweisen. Unterschiedliche Geschäftsfelder innerhalb des Unternehmens tarieren sich gegenseitig aus, dies sollte bei einer Risikobeurteilung auf Stufe Gesamtkapitalkostensatz “WACC” berücksichtigt werden. Wichtig ist natürlich auch der Preis den man für die Aktie bezahlt im Verhältnis zum inneren und abdiskontierten geschätzten… Weiterlesen »