Was der junge Cellist da wohl übt? Über den Dächern von Caracas passt Bruch besser als Brahms – à première vue bzw. dem Wortklang nach. Von Orchesterauftritten kann derzeit auch in der «Bolivarischen» Republik keine Rede sein; so wird eben solo Solfège gefeilt. Musik ist vielleicht der einzige Trost, der Menschen in diesem aberwitzig heruntergewirtschafteten Land noch bleibt. Schmalhans ist Küchenmeister, obwohl die Natur der Landwirtschaft beste Voraussetzungen bietet. Unter dem Boden lagern riesige Ölvorräte, die wenigstens den Eigenbedarf decken müssten. Doch die Raffinerien sind, nachdem das Regime die staatliche Ölgesellschaft völlig ausgeplündert hat, derart unterinvestiert, dass sie kaum noch Benzin herstellen. Da braucht es Bruderhilfe: Dieser Tage ist ein erster Tanker, den Teherans Theokraten entsandt haben, um den gemeinsamen Feind USA zu ärgern, an der karibischen Küste angekommen. Übrigens sollte Washington die Sanktionen gegen Venezuela einstellen; sie liefern den Machthabern nur ein Argument, um vom eigenen Verschulden abzulenken. Einst wurde im Ostblock erzählt: Lässt sich in der Sahara der Sozialismus aufbauen? Im Prinzip ja, aber nach fünf Jahren wird der Sand knapp. Kein Witz. (Bild: Pedro Ramses Mattey/DPA/Keystone)