Märkte / Devisen

Kommt die Frankenabwertung im zweiten Halbjahr?

Der Franken hat in den vergangenen Tagen gegenüber dem Euro an Wert verloren. Der Kurs liegt so hoch wie zuletzt Mitte März – das schürt Hoffnungen für den Werkplatz.

Der Franken handelt schwächer. Der Kurs zum Euro avancierte von knapp 1.04 Fr./€ Mitte Juli auf fast 1.07 Fr./€ am Montag. Das sind immerhin 2,8% in bloss zwölf Tagen, und der Kurs liegt so hoch wie zuletzt Mitte März. Am Dienstag stand das Währungspaar leicht tiefer auf 1.0662 Fr./€.

Strebt der Franken endlich gegen seinen fairen Wert? Nur schon dauerhafte Notierungen von 1.10 Fr./€ wären eine Erleichterung für den Werkplatz, wurde kons­tatiert als die SNB (SNBN 4970 2.9%) im Januar den Mindestkurs aufgab. Eine Prognose war das aber nicht, vielmehr eine Hoffnung.

Nationalbankpräsident Thomas Jordan nährte sie, als er damals erklärte, der Wechselkurs überschiesse, und der Franken sei stark überbewertet. Der Markt werde feststellen, dass diese Überbewertung nicht gerechtfertigt sei. Tatsächlich stieg der Kurs bis zum 20. Februar auf gut 1.08 Fr./€, das Ziel rückte in Griffweite.

Doch die Hoffnung zerplatzte, denn der Kurs sank bis April auf das Tief von gut 1.02 Fr./€. Der faire Wechselkurs liege zwar über 1.20 Fr./€, erklären Devisenexperten – ihre Schätzungen divergieren je nach Berechnungsweise. Dass er in absehbarer Zeit erreicht wird, erwartet aber niemand. Immerhin prognostizieren die Währungsspezialisten von Credit Suisse (CSGN 9.988 2.82%) für den nächsten Sommer einen Kurs von 1.08 Fr./€, und Bank J. Safra Sarasin sagt dieses Niveau bereits per Ende Jahr voraus. UBS (UBSG 10.895 1.87%) rechnet hingegen mit keinem nennenswerten Anstieg des Euros in den kommenden Monaten. Die Commerzbank (CBK 4.452 2.37%) erwartet gar einen fallenden Wechselkurs.

Die SNB solle ein Kursziel oder einen neuen Mindestkurs einführen, forderte der Gewerkschaftsbund diese Woche erneut. Der Druck auf die Arbeitsplätze und die Löhne sei zu gross. Doch auch diese Hoffnung wird sich nicht erfüllen. Die Nationalbank wird am Freitag tiefrote Zahlen für das zweite Quartal ausweisen. Schon der Verlust von 30 Mrd. Fr. im ersten Quartal hat ihr Eigenkapital geschmälert, jetzt schmilzt es weiter. Die SNB wird sich vorderhand so wenig wie möglich exponieren.

Trotz allem ist es erfreulich, dass der Franken-Euro-Kurs steigt. Nicht nur weil die Bewegung in die richtige Richtung zeigt, sondern auch weil sich der Franken zum Dollar im gleichen Umfang abgewertet hat. Der Kurs bewegt sich also nicht wegen einer Eurostärke, sondern dank ­einer Frankenschwäche. Das ist immerhin ein Lichtblick für den Werkplatz.