Markttechnik / A. Cortés

Kommunikation in neuem Kleid

Im vierten Quartal 2018 wurde der  Branchenindex Telecommunication Services ergänzt. Aus einem 44 Aktien umfassenden Gefäss aus zwei Industrien mit einem Gewicht von rund 3% im MSCI Welt entstand der Communication Services genannte Sektor, der 8,4% des MSCI ausmacht. Neu hinzugekommen sind die Industrien Entertainment, Interactive Media & Services sowie Media, mit Titeln wie Facebook (FB 201.8 -1%), Alphabet und Netflix (NFLX 362.44 -0.97%), die vorher zu den  Subindices Technology und Consumer Discretionary gehörten.

Entstanden ist ein Sektor, der wie wenige zwei Entwicklungen zeigt: den Vorteil von Aktien innovativer Unternehmen und die geballte Präsenz derselben in den USA. Macht der MSCI USA 62% des MSCI Welt aus, beträgt die US-Gewichtung in diesem Sektor 76%.

Alt versus neu

Die höchstkapitalisierte europäische Aktie im Sektor ist Deutsche Telekom (DTE 14.872 -0.85%) mit 1.7%. Sie nimmt Platz 10 ein. Auf Platz 9 figuriert die Softbank (Softbank 23.4 -2.34%) aus Japan mit 2%. Die acht grössten Werte sind alle US-amerikanischer Herkunft und bringen gemeinsam 62% der Kapitalisierung auf. Die übrigen 14%, die US-Titel ausmachen, verteilen sich auf 32 Aktien, während 55 europäische und asien-pazifische Titel gemeinsam ein Gewicht von lediglich 24% aufbringen.

Das Momentum der US-Titel beträgt in meinem Modell das 1.07-Fache der europäischen und das 1.03-Fache der asien-pazifischen. Von den 40 US-Titeln weisen 63% ein positives technisches Profil auf, 50% der 22 Aktien aus dem asien-pazifischen Raum sind technisch positiv, jedoch lediglich 26% der 35 europäischen Titel.

Bullen und Bären

Im Kleinformat sehen wir, was weltweit zu beobachten ist: Die Aktien neuer Industrien verhalten sich ganz anders als alte, und zwar in allen Sektoren. In den innovativen neuen Industrien hat im vierten Quartal eine technische Korrektur in einem intakten Aufwärtstrend stattgefunden. In den Aktien wenig innovativer Firmen läuft derzeit eine technische Erholung in einem Bärenmarkt ab. Das erinnert an 1976 bis 1991, als der S&P Capital Goods von einem Faktor von 1.15 zum S&P 500 (SP500 2984.42 -0.65%) auf 0.70 fiel, während der S&P Consumer Goods von 0.90 auf 1.50 stieg.

Was wir jetzt erleben, ist meines Erachtens in Bezug auf Tiefe und Geschwindigkeit eine technologische Innovation historischen Ausmasses, welche die Geschäftsmodelle revolutionieren lässt. Diese Entwicklung kann mit keiner Metapher besser erfasst werden als mit jener der schöpferischen Zerstörung nach Schumpeter. Alte Modelle der Börsenanalyse, die sich auf Daten einzelner Volkswirtschaften stützen, sind nicht mehr dienlich. Wir müssen unabhängig von den einzelnen Ländern die Sektoren analysieren und bewerten, denn in ihnen wird der Riss deutlich, der sich global durch Gewinner- und Verlierertrends etabliert hat.

Die relative Stärke der Sektoren zum MSCI Welt in den länderbezogenen Indizes wird wie seit 2015 auch weiterhin über den Verlauf dieser länderbasierten Indizes entscheiden. Ein Index-ETF kann nur so gut sein wie seine Konstituenten. Ein positives technisches Profil weisen in Communication Services nur 46% der Titel auf. Ihr Gewicht beträgt allerdings rund 60%. In meinem Modell figuriert Communication Services auf Rang 7 von 11 MSCI-Sektoren. Das spricht für eine Konzentration der Anlagen in diesem Sektor auf wachstumsorientierte Werte wie zum Beispiel Alphabet, die sich fast ausschliesslich in den USA befinden.

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