Meinungen

Kompetenz zählt

Erneut scheitert Donald Trump damit, einen ihm politisch wohlgesinnten Kandidaten in die US-Notenbank zu hieven. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Andreas Neinhaus.

«Notenbanken handeln im Gesamtinteresse des Landes, nicht im Dienste der Regierung.»

Mit Stephen Moore ist auch der zweite Kandidat Donald Trumps für die US-Notenbank gescheitert. Zurück bleibt das Erstaunen über die schlampige Personalpolitik des Weissen Hauses. Erneut hatte Trump fachlich unqualifizierte Personen designiert, weil sie den Präsidenten im TV gelobt hatten. Dass sie im Senat, der von den Republikanern kontrolliert wird, keine Chance hatten, legt die politische Fehleinschätzung resp. Selbstüberschätzung offen, der Trump unterlag. Nur ihr ist es zu verdanken, dass die feindliche Übernahme der Fed durch das Weisse Haus gescheitert ist.

Dass Notenbanken politisch unabhängig bleiben, ist wichtiger denn je. Natürlich kann ein Regierungschef der Meinung sein, die Geldpolitik sei zu restriktiv. Aber er muss anerkennen, dass Gewaltentrennung herrscht. Notenbanken handeln im Gesamtinteresse des Landes, nicht im Dienste der Regierung. Sie haben den Geldwert im Blick und nicht den Wahlzyklus.

In den letzten zehn Jahren haben sie enorm an Macht gewonnen. Zentralbanken waren nie so invasiv wie heute: Sie greifen an den Kapital- und Immobilienmärkten ein, kaufen und verkaufen Schuldtitel der Regierungen und richten über die Zukunft von Banken. Wer heute in die Chefetage einer Zentralbank berufen wird, muss in seiner Amtszeit darüber entscheiden, wie die Geldpolitik auf ein normales Mass zurückgeführt und Altlasten entschärft werden können.

Die entscheidende Qualifikation dafür ist fachliche Kompetenz – nicht politische Couleur. Das sollten sich abgesehen vom US-Präsidenten auch die Regierungen im Euroraum zu Herzen nehmen. Denn sie müssen bis Herbst einen Nachfolger für Mario Draghi an der Spitze der EZB finden.

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