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Konfliktbarometer Soja

Der Streit zwischen den USA und China wird auch über den Sojahandel ausgetragen.

Die Sojabohne, so unscheinbar sie daherkommen mag, spielt im sino-amerikanischen Handelskonflikt eine bedeutende Rolle. So lässt sich aus den bilateralen Handelsvolumen ablesen, wie es um das angespannte Verhältnis zwischen den beiden Supermächten bestellt ist. Entsprechende Indizien lieferten die vergangenen Tage: Die Furcht vor einer Verschärfung des Streits wurde von der unbestätigten Nachricht geschürt, Peking habe staatsnahe Unternehmen dazu angehalten, den Kauf von US-Agrargütern wie Sojabohnen auszusetzen. Dies als Antwort auf die jüngste Eskalation rund um die wachsende Einflussnahme Chinas in Hongkong.

Für eine neuerliche Beruhigung sorgte dann aber die Meldung, wonach in dieser Woche 180 000 Tonnen US-Sojabohnen zur Lieferung im Oktober oder November verkauft worden seien. Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA), das die Transaktion bestätigte, legte dabei die Nationalität der Käufer nicht offen.

Doch identifizierten diverse Analysten China als Gegenpartei. Auch der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer bestätigte den Deal während einer Präsentation. Entsprechend konnten sich die Notierungen der Sojabohnen gegen Wochenschluss von ihren Tiefst lösen.

China in der Zwickmühle

Der jüngsten Entspannung zum Trotz steckt China in mehrerlei Hinsicht in einer Zwickmühle: Zwar hat man sich im Phase-1-Handelsabkommen verpflichtet, mehr amerikanische Güter zu kaufen. Doch will man die jüngste «Einmischung Washingtons» nicht ohne Gegenmassnahmen hinnehmen.

Gleichzeitig kann China den nationalen Sojabedarf bei weitem nicht mit eigenen Quellen decken. So ist das Reich der Mitte auf Sojaschrot angewiesen – gewonnen aus der Zerkleinerung (Crushing) von Sojabohnen –, der dank seines hohen Proteingehalts vor allem in der Tiermast Verwendung findet. Zwar hat die Schweinepest die einst bei rund 700 Mio. Tieren notierende Population der Paarhufer massiv dezimiert. Doch dürfte sich der Bestand über die kommenden Monate wieder erholen und damit auch den Bedarf an Sojaschrot ankurbeln. Zudem wird ein immer grösserer Anteil der Tiere auf Farmen gehalten, wo meist Sojaschrot verfüttert wird.

Brasilien auf Spitzenplatz

Angesichts dieser Bedürfnisse ist Peking bestrebt, die Agrarversorgung besser zu diversifizieren und dabei Verstrickungen mit den USA möglichst weit abzubauen. Im Zuge dieser Bemühungen hat China schon vor einiger Zeit die Beziehungen mit Brasilien intensiviert. Allein 2017 investierte das Reich der Mitte hier über 20 Mrd. $ – etwa in neue Infrastruktur, um den Binnentransport und die Verschiffung der Agrargüter zu erleichtern.

Diese Unterstützung hat mit dazu beigetragen, dass Brasilien inzwischen zum weltgrössten Produzenten und Exporteur von Sojabohnen aufgestiegen ist und dabei auch die USA hinter sich gelassen hat. Allein im Mai hat Brasilien – begünstigt durch die Schwäche der Heimwährung Real – die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahr um 45% auf 15,5 Mio. Tonnen ausgeweitet.

Angesichts der Unterschiede in der Saisonalität – die brasilianische Ernte erreicht zwischen Februar und Mai ihren Höhepunkt, in den USA liegt die Spitze zwischen September und November – ist China auch in Zukunft dazu gezwungen, beide Exportnationen zur Deckung der Bedürfnisse zu berücksichtigen. Zahlen des Peterson Institute for International Economics (PIIE) zeigen allerdings, dass China gegenwärtig massiv hinter den Abmachungen des Phase-1-Deals zurückliegt. Der Streit kann also noch lange nicht zu den Akten gelegt werden.