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Konjunkturaussichten belasten HSBC

Wegen Rückstellungen für Kreditausfälle erleidet die britische Grossbank im Startquartal einen Gewinneinbruch. Zusätzlich wird sie von den Konjunkturerwartungen belastet.

(Reuters)

Hohe Rückstellungen für Kreditausfälle haben den Gewinn der britischen Grossbank HSBC (HSBAl 5.34 -0.09%)HSBA.L zum Jahresstart einbrechen lassen. Der Vorsteuergewinn fiel im ersten Quartal binnen Jahresfrist um 27% auf 4,2 Mrd. $,wie Europas grösste Bank am Dienstag in London mitteilte. Analysten hatten im Schnitt sogar mit einem noch stärkeren Einbruch gerechnet. Die Bank traf für erwartete Kreditausfälle Vorsorge in Höhe von 600 Mio. $, nachdem sie im Vorjahreszeitraum noch 400 Mio. $ an Rückstellungen wegen besserer Wirtschaftsaussichten auflösen konnte. An der Börse kamen die Quartalszahlen nicht gut an: Die Aktie büsste zeitweise mehr als 3% ein.

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine habe den Inflationsdruck verschärft und die Unsicherheit über die weiteren wirtschaftlichen Aussichten erhöht, erklärte Bankchef Noel Quinn. Dies habe im Quartal zu den höheren Kosten für erwartete Kreditausfälle beigetragen. Quinn äusserte sich dennoch positiv: «Ich bin von unserem Jahresstart ermutigt. Unsere Strategie ist auf Kurs mit unserem organischen Wachstum und einer guten Dynamik in den meisten Teilen der Gruppe.»

Nach Steuern schrumpfte der Gewinn im Auftaktquartal binnen Jahresfrist allerdings um 24% auf 3,4 Mrd. $. Auch die Erträge sanken um 4% auf 12,5 Mrd. $. Dazu trugen Corona-Einschränkungen im wichtigen Markt Hongkong bei, wo Zweigstellen geschlossen waren. Alle Regionen seien aber profitabel gewesen, erklärte der Finanzkonzern.

Seinen Aktionären verpasste das Geldhaus einen Dämpfer. Denn das Management kündigte an, dass weitere Aktienrückkäufe in diesem Jahr unwahrscheinlich seien. Dafür machte HSBC Wertschwankungen bei einigen Staats- und Firmenanleihen verantwortlich, die das Institut zur Absicherung gegen Einbussen bei den Zinserträgen hält. Die harte Kernkapitalquote (CET 1) sank im ersten Quartal auf 14,1% von 15,8% zum Jahresende 2021. An ihrem bereits angekündigten Aktienrückkauf im Volumen von bis zu einer Mrd. $ will HSBC aber festhalten. Damit soll nach der für den 29. April anberaumten Hauptversammlung begonnen werden.

Noch stärkerer Fokus auf Asien

Unter der Führung von Quinn, der die Grossbank mit Sitz in London seit mehr als zwei Jahren leitet, ist das Institut noch stärker auf Asien ausgerichtet worden. Mrd. wurden in die Region investiert – vor allem in das lukrative Vermögensverwaltungsgeschäft. Zudem wurden mehr Top-Manager dorthin entsandt. 2021 steuerten die Geschäfte in Asien 65% zum Ergebnis bei.

Am zentralen Profitabilitätsziel hielt Quinn fest. «Obwohl die wirtschaftlichen Aussichten unsicher bleiben, hat der anhaltende Aufwärtstrend bei den Zinsen seit unseren Jahresergebnissen unser Vertrauen weiter gestärkt, im Jahr 2023 eine zweistellige Eigenkapitalrendite zu erzielen», erklärte der Manager. Er hatte im Februar in Aussicht gestellt, das Renditeziel bereits ein Jahr früher als bislang geplant zu erreichen.

Einen deutlich besseren Jahresstart als HSBC erwischte auf der anderen Seite des Ärmelkanals Spaniens grösste Bank SantanderSAN.MC. Starke Geschäfte in Europa liessen den Gewinn des Rivalen zum Jahresauftakt um 58% auf 2,54 Mrd. € hochschnellen. Die Deutsche Bank (DBK 8.05 -3.19%)DBKGn.DE legt an diesem Mittwoch ihr Zahlenwerk vor.