Märkte

Zuversicht der Börsenprofis steigt trotz Lockdown

Deutsche Analysten und Anleger schauen optimistischer in die Zukunft. Das ZEW-Barometer legt im Januar folglich zu.

(AWP) Trotz der Aussicht auf einen verlängerten Lockdown blicken die Börsianer zu Jahresbeginn optimistischer auf die deutsche Konjunktur. Das Barometer ihrer Erwartungen für die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten sechs Monaten stieg im Januar um 6,8 Punkte auf 61,8 Zähler, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zur Umfrage unter Analysten und Anlegern mitteilte. Die Ergebnisse des ZEW-Finanzmarkttests zeigen überdies, dass vor allem die Exporterwartungen deutlich gestiegen sind. Als Absatzmarkt wird in diesem Zusammenhang China immer wichtiger, dessen Wirtschaftsleistung auch in Zeiten der Pandemie 2020 zulegte.

Die Volksrepublik hat nach Schätzungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) im Corona-Krisenjahr 2020 Frankreich als zweitwichtigsten Markt abgelöst. Experten rechnen damit, dass das Reich der Mitte diese Position auf Jahre behaupten wird. An der Spitze bleiben aber die USA.

Der DIHK hat zu Jahresbeginn mehr als 10.000 Unternehmensantworten aus einer Umfrage ausgewertet. 30% der Industriebetriebe rechnen demnach momentan mit besseren Exportgeschäften, 22 Prozent mit schlechteren. Zuversichtlich sind vor allem die Pharma- und Chemiebranche, die Elektrotechnik und der Maschinenbau. Zum Vergleich: Im Herbst 2020 hatten nur 26 Prozent mit besseren Ausfuhren gerechnet, 30 Prozent mit schlechteren. Die Investitionsbereitschaft hat sich verbessert, liegt aber immer noch auf einem vergleichsweise niedrigem Niveau. Insgesamt dürften die deutschen Exporte laut DIHK-Schätzung 2021 um sechs Prozent zulegen. 2020 sind sie um knapp zehn Prozent eingebrochen.

«Insbesondere die exportorientierte deutsche Industrie sieht durch die neuen Impfstoffe für das Frühjahr und den Sommer eine kräftige, weltweite Erholung kommen und ist entsprechend zuversichtlich», so DZ Bank-Chefvolkswirt Michael Holstein. Die aktuelle Lage für viele kleine Betriebe – etwa im Gastgewerbe oder im Einzelhandel – sei durch den Lockdown aber weiterhin extrem angespannt. Und für diese Firmen ist kurzfristig auch keine Entspannung absehbar: Bund und Länder steuern auf eine Verlängerung des Lockdowns bis Mitte Februar zu. Mit Beschlüssen von Bund und Ländern wurde im Laufe des Tages gerechnet. Die Bundesregierung geht auch mit dem Vorschlag in die Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, per Verordnung das Arbeiten im Homeoffice auszuweiten.

«Die Konjunkturaussichten dürften aufgrund einer Verlängerung des Lockdowns keinen weiteren deutlichen Schaden nehmen», meint Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank (VPBN 101.40 +0.2%). Solange die Industrie von Eindämmungsmassnahmen verschont bleibe, gebe es keinen Grund die Erwartungen für den weiteren konjunkturellen Verlauf zu senken.