Meinungen

Konsequenzen

Für Tidjane Thiam ist der Posten des Verwaltungsratspräsidenten in weite Ferne gerückt. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Ein guter Mediator, der alles unter Kontrolle hat, sieht anders aus.»

Die Schuldigen sind gefunden und müssen ihre Büros räumen. Damit ist die Sache vom Tisch. Dass es nicht ganz so einfach wird, war wohl auch Urs Rohner klar, als er am Dienstag vor der Presse den Rücktritt des Sicherheitschefs und des COO von CS bekanntgab.

Die Affäre um den abtrünnigen Starbanker Iqbal Khan hat offengelegt, dass der Haussegen bei Credit Suisse (Credit Suisse 8.618 5.61%) schief hängt. Sowohl die Stellung des Verwaltungsratspräsidenten Urs Rohner als auch die des Chief Executive Officer Tidjane Thiam ist angeschlagen. Für Rohner wird dies wohl keine direkten Konsequenzen haben. Seine Amtszeit ist bis maximal 2021 beschränkt. Anders sieht es für Thiam aus. In der Branche gilt es als schlecht gehütetes Geheimnis, dass er gerne Nachfolger von Rohner werden würde. Doch das ist nach der Khan-Affäre kaum mehr vorstellbar.

Selbst wenn man davon ausgeht, dass der Credit-Suisse-CEO nichts von der Beschattung Khans gewusst hat und sein treuster Mitarbeiter in Eigenregie unterwegs war, hat Thiam wohl zu viel Kredit verspielt. Als Verwaltungsratspräsident müsste er seine Mitarbeiter unter Kontrolle haben, gleichzeitig aber ihr volles Vertrauen geniessen; er müsste integer sein und als Mediator unterschiedliche Meinungen unter einen Hut bringen.

Thiam hat den Streit mit seinem Kronprinzen dermassen ausgeweitet, dass dieser die Kündigung eingereicht hat. Dazu hat Thiams engster Vertrauter eine Observierung angeordnet, ohne dass der CEO im Bild war. Ein guter Mediator, dem man vertraut und der alles unter Kontrolle hat, sieht anders aus. Der CEO-Posten dürfte für Thiam das Ende der Fahnenstange bei Credit Suisse sein.

Leser-Kommentare

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Aloys K. Osterwalder 01.10.2019 - 21:35

Der Auftritt von CS war beschämend. Die Chance zu einer Selbsterneuerung
der Bankspitze ist vertan. Die Hauptaktionäre müssten eine a.o. GV einberufen
und den VR sowie das Executive Management neu besetzen.