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Konzentration der Kräfte ist notwendig

Zu viele, zu viele kleine und zu viele breit aufgestellte Privatbanken sind in der Schweiz aktiv.

Die Konsolidierung in der Schweizer Privatbankenszene geht weiter. Es gibt immer noch zu viele Banken, die zu klein und zu breit aufgestellt sind. Die Bereinigung wird kleinere Mitspieler und Auslandbanken erfassen. Boris Collardi, CEO von Julius Bär (BAER 40.21 -3.46%), ist der Ansicht, die Konsolidierung im Schweizer Private Banking werde mehrere Jahre dauern. Wer dabei welche Rolle spielen wird, ist schwierig, abzuschätzen. Pierin Vincenz, CEO von Raiffeisen, sagt unumwunden: «Im Private Banking bauen wir weiter aus.» Spekulationen am Markt sagen vor allem UBP weitere Ambitionen nach, ebenso wie – mit weniger Tempo – J. Safra Sarasin und  Julius Bär, zögerlicher auch Bank Vontobel (VONN 63.35 -5.38%).

Die Anzahl der Schweizer Banken, die vorwiegend auf Private Banking fokussiert sind oder einen eigenständigen Private-Banking-Bereich haben, ist im vergangenen Jahr um weitere sieben auf 132 gefallen. Seit Ende 2009, als noch 170 Privatbanken aktiv waren, beträgt der Rückgang bereits 38 oder fast ein Viertel. Von den verbleibenden 132 Privatbanken ist ein grosser Teil mit weniger als 5 Mrd. Fr. unter Verwaltung als kleine Bank einzustufen.  Diese kleinen Institute haben gemäss der Beratungsgesellschaft KPMG einen Marktanteil von nur 7 bis 8%. UBS (UBSG 10.6 -4.25%) und Credit Suisse (CSGN 10.81 -5.09%) verwalten zusammen mehr Kundenvermögen als die 132 Banken zusammengenommen. Und im Geschäft mit vermögenden Schweizer Kunden sind noch die Kantonalbanken, Regionalbanken und Raiffeisen präsent.

Die Bestandesaufnahme macht deutlich, wo in der Konsolidierung der grösste Handlungsbedarf liegt. «Wir sehen eine Tendenz zu einem höheren Marktanteil der grossen Banken», ist Christian Hintermann, Leiter Deal Advisory Financial Services von KPMG Schweiz, überzeugt. Denn die meisten Banken wachsen organisch sehr wenig. Verschiebungen der Grössenverhältnisse finden vorwiegend über M&A-Aktivitäten statt, insbesondere durch die grösseren Banken.

Trend zur Grösse

Die Mehrheit der Banken ist sich bewusst, dass eine Fokussierung und Spezialisierung stattfinden muss, und hat inzwischen ihre Kernmärkte definiert. «Generell gibt es aber immer noch sehr viele Banken, die zu breit aufgestellt sind», kritisiert Hintermann. Der Trend zur Grösse ist klar erkennbar und wegen steigender Kosten, sinkender Margen und aufwendiger regulatorischer Auflagen auch erklärbar. « ‹Get big, get niche or get out› klingt etwas reisserisch, trifft im Kern jedoch zu», sagt dazu Philip Arnet, Partner bei  EY Financial Services Schweiz. Auch er stellt fest, dass viele Privatbanken bereits interne Bereinigungsprogramme durchlaufen haben,  um Zahl und Qualität der bearbeiteten geografischen Märkte zu reduzieren und zu definieren. «Es ist davon auszugehen, dass sich der Grad der Spezialisierung und der Fokus auf Nischen, besonders bei kleineren Privatbanken, eher noch verstärken werden und müssen», sagt er.

Dem pflichtet Andreas Lenzhofer, Partner bei PwC Strategy&, bei. Und er sieht das Aufkommen von weiteren Marktteilnehmern wie Plattformprovidern oder spezialisierten Fintech-Start-ups.

Ein wesentliches Merkmal der laufenden Konsolidierung ist der Exit verschiedener Auslandbanken, verbunden mit einer massiven Reduktion von Neugründungen und Marktneueintritten. Daneben haben einige kleinere Player ihre Eigenständigkeit aufgegeben und sich entweder mit meist nur unwesentlich grösseren Instituten zusammengetan oder den Weg der Liquidation gewählt.

«Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Wir erwarten eine weitere Bereinigung bei kleineren Playern und ausgesuchten Auslandbanken», sagt Philip Arnet von EY. «Es ist gut vorstellbar, dass in einer nächsten Phase auch vermehrt mittelgrosse und grössere Privatbanken nach Partnerschaften Ausschau halten, insbesondere wenn sie sich im globalen Markt behaupten wollen», ergänzt er.

Mehr Deals – und zu höheren Preisen

Ähnlich sieht das Christian Hintermann: «Der Margenrückgang mit gleichzeitig steigenden Kosten ist einer der Haupttreiber für diese Konsolidierung. Die kritische Grösse ist entscheidend, um diesen Treibern entgegenzuwirken.»  Auch für ihn ist daher klar: «Wir sind mitten in einer Konsolidierungsphase. Wir werden weiterhin Auslandbanken sehen, die sich überlegen, aus dem Schweizer Markt auszusteigen.» Und er ortet auch anderswo Handlungsbedarf: «Wir werden im Segment der kleineren Banken eine hohe Aktivität sehen.»

Das sieht auch Philip Arnet so: «Es ist von weiteren vereinzelten Exits von Auslandbanken auszugehen sowie von Liquidationen und Fusionen von kleineren Privatbanken.» Auch die Rückgabe der Banklizenz und das Weiterführen des Unternehmens als unabhängiger Vermögensverwalter sei eine Option für kleinere Privatbanken.

Mehr Deals – und zu höheren Preisen: «Die Preise sind unserer Erfahrung nach im Moment am Steigen, der Markt ist grundsätzlich kompetitiver geworden», stellt Christian Hintermann fest. «Es gibt eine Gruppe von Banken, die aktiv auf der Suche nach Akquisitionen sind.» Die Banken seien aber nur bereit, einen guten Preis zu bezahlen, wenn die Qualität stimme und sie eine genaue Analyse der Risiken durchführen konnten.

Andreas Lenzhofer pflichtet dem bei. «Derzeit steigen die Preise wieder, aber es kommt auf die Qualität des Kundenbuchs an.» Gleichzeitig stellt er aber auch fest:  «Die Preise für Assets schwanken derzeit stark.» Und was ist in der M&A-Szene zu hören über weitere Konsolidierungsschritte? «Theoretisch ist alles verkäuflich. Es ist alles eine Frage des Preises.» Man müsse sich allerdings bewusst sein, dass sich gute Teams und gute Kundenberater im Falle von Handänderungen absetzen können.