Märkte / Derivate

Kosten sämtlicher Struki mit Fonds vergleichen

Die Zürcher Kantonalbank bietet Kostentransparenz für alle strukturierten Produkte. Durch die Publikation der Gesamtkostenquote Ter vereinfacht sich der direkte Vergleich der Kosten von Zertifikaten mit Fonds.

Erstmals wird ein Emittent für sämtliche seiner strukturierten Produkte die Kosten ausweisen, wie das auch Fonds tun. Die dort übliche Gesamt­kostenquote (Total (FP 28.06 1.52%) Expense Ratio, Ter) ist bislang von keinem Derivatanbieter publiziert worden, nun vereinfacht sich der direkte Vergleich der Kosten von Zertifikaten mit Anlagefonds und kotierten Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF).

Bereits jetzt beziffert die Zürcher Kantonalbank (ZKB) die Ter in der Produkt­beschreibung (Termsheet) für gewisse Tracker-Zertifikate. Bis Ende Jahr will sie das schrittweise für alle Anlageprodukte tun, eingeschlossen die komplexen und in der Schweiz beliebten Barrier Reverse Convertibles. Das gibt die Zürcher Staatsbank am Mittwoch bekannt, und damit betritt sie weltweit Neuland. Nun stellen sich vor allem zwei Fragen: Sind in der Ter alle Kosten enthalten, und sind strukturierte Produkte wirklich so teuer, wie das von Kritikern gesagt wird?

Je komplexer, desto teurer

Um den Vergleich zu gewährleisten, orientiert sich die ZKB an den Vorgaben des Fondsverbands und definiert: «Die Ter berücksichtigt den gesamten, periodischen Betriebsaufwand ex post», also rückwirkend. Sie fällt jährlich an, wird ausgedrückt in Prozent des Nominalwerts (resp. des durchschnittlichen Nettovermögens) und wird dem Anleger von der Performance abgezogen.

Von den Komponenten der Ter gemäss Fondsverband fallen allerdings für strukturierte Produkte nicht alle an.

Dazu kommen Komponenten unter den «sonstigen Aufwendungen»: der Handel, die Risikoabteilung, Finanzierungskosten und die Abwicklung, inklusive der Infrastruktur (Informatiksysteme). Die Komponenten sind also für Fonds und Zertifikate unterschiedlich, weil das rechtlich und ökonomisch verschiedene Ver­packungen sind. Dennoch sei die Ter vergleichbar, erklärt die ZKB: Alles, was für Fonds ausgewiesen werde, sei analog auch in der Ter für Zertifikate enthalten.

Für die Tracker-Zertifikate auf Schweizer Aktien beträgt die bereits publizierte Ter 0,18% respektive 18 Basispunkte. Zum Vergleich: Für ETF auf Schweizer Titel liegt die Ter zwischen 0,25 und 0,6%.

Komplexere Produkttypen weisen höhere Kosten auf. ZKB nennt zwei Beispiele: Ein Discount-Zertifikat auf Roche (ROG 297.4 0.05%) hat eine Ter von 1,02%, ein Barrier Reverse Convertible auf die drei Basiswerte Nestlé (NESN 106.56 0.23%), Novartis (NOVN 76.48 -0.2%) und Roche kostet 1,75%.

Ohne Absicherungskosten

Nicht in der Ter enthalten sind – sowohl für Fonds als auch für strukturierte Produkte – Transaktionskosten wie Geld-Brief-Spanne und Ausgabeaufschlag sowie der Risikomanagementpuffer. Die ­Absicherungskosten (Hedge) des Emittenten werden also nicht erfasst.

Diese Kosten variieren während der Laufzeit je nach Entwicklung an den Finanzmärkten. Sie sind also nur rückblickend bekannt, der Emittent kennt seine Marge erst zum Verfallzeitpunkt – in der Finanzkrise erlitten Anbieter Verluste, weil die Absicherung teurer wurde als erwartet. Aus diesem Grund wird oft argumentiert, die tatsächlichen Gesamtkosten stünden nur im Nachhinein fest und liessen sich nicht vorab bekanntgeben.

Die Ter umschifft dieses Problem, indem sie die Absicherungskosten nicht ­erfasst. Die Anleger müssen sich darauf verlassen, dass der Wettbewerb unter den Anbietern spielt, andernfalls könnten diese bei der Emission grosszügige Sicherheitsmargen einrechnen und am Ende der Laufzeit realisieren, und das würde in der Ter nicht ausgewiesen.

Der Konkurrenzdruck sei gross, ist nicht nur von Emittenten zu hören, sondern auch von Banken, die für ihre Kunden Zertifikate anfertigen lassen und dafür mehrere Offerten einholen. Der Wettbewerb sorgt für faire Konditionen, und die Ter bringt Kostentransparenz.